Bildungs-Lotterie in Österreich: Je nach Wohnort droht Kindern die Vorschule und ein schlechterer Bildungsweg

Bildungs-Lotterie in Österreich: Je nach Wohnort droht Kindern die Vorschule und ein schlechterer Bildungsweg

Eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) deckt auf, was viele Eltern schon lange befürchten: Ob ein Kind in die Vorschule muss, ist in Österreich offenbar reine Glückssache – oder besser gesagt, eine Frage des Wohnorts. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind dramatisch und deuten auf eine massive Ungleichheit im Bildungssystem hin, die bereits bei den Kleinsten beginnt.

Bundesland entscheidet über Schulstart

Laut Schulpflichtgesetz ist die Sache eigentlich klar: Kinder, die dem Unterricht in der ersten Klasse Volksschule körperlich oder geistig noch nicht gewachsen sind, sollen in der Vorschule gezielt gefördert werden. Doch die Realität sieht anders aus, wie eine Studie des IHS-Forschers Mario Steiner zeigt. Wie sich herausgestellt hat hängt die Entscheidung für oder gegen die Vorschule massiv vom jeweiligen Bundesland ab.

Die Zahlen für das Schuljahr 2022/23 sprechen eine deutliche Sprache: Während in der Steiermark und im Burgenland nur ein Prozent der Schulanfänger die Vorschule besuchte, waren es in Salzburg unglaubliche 26 Prozent. Ein Viertel aller Kinder wird dort also als nicht schulreif eingestuft – ein Wert, der Fragen aufwirft.

Soziale Herkunft als Stempel

Die Untersuchung, die in der „Österreichischen Zeitschrift für Soziologie“ veröffentlicht wurde, zeigt aber noch mehr. Der Vorschulbesuch ist nicht nur regional, sondern auch sozial extrem ungleich verteilt. Über alle Bundesländer hinweg landen Kinder mit Migrationshintergrund oder aus Elternhäusern mit niedrigerer Bildung deutlich häufiger in Vorschulklassen.

Laut Steiner ist die Wahrscheinlichkeit für Kinder von Pflichtschulabsolventen, in die Vorschule geschickt zu werden, je nach Bundesland drei- bis siebenmal höher als bei Kindern von Akademikern. Es scheint, als würde die soziale Herkunft die Bildungschancen von Anfang an bestimmen.

Einmal Vorschule, immer benachteiligt?

Die Langzeitstudie, für die rund 83.500 Kinder über 15 Jahre begleitet wurden, kommt zu einem alarmierenden Ergebnis. Der Besuch der Vorschule hängt eng mit einer weniger erfolgreichen Bildungslaufbahn zusammen. Ehemalige Vorschüler schaffen seltener die Matura und haben häufiger nur einen Pflichtschulabschluss. Das Ziel, Rückstände aufzuholen, wird laut der Studie klar verfehlt.

Forscher Steiner sieht darin einen Beleg, dass „leistungshomogene Schulformen“ wie die Vorschule soziale Ungleichheit sogar noch verschärfen. Er stellt das gesamte Konzept der Schulreife vor dem Schuleintritt infrage und verweist auf Modelle in Deutschland und der Schweiz. Dort versteht man Schulreife nicht als Voraussetzung, sondern als Auftrag an die Schule selbst. Anstatt Kinder auszusortieren, wird auf individuelle Förderung im Klassenverband gesetzt.

Quellen: oe24.at, Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Institut für Höhere Studien (IHS)
Credits: APA

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