Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) plant eine Abgabe auf Streaming-Umsätze zur Finanzierung der heimischen Filmförderung. Das Ziel: internationale Plattformen wie Netflix zur Kasse bitten. Das Problem: Wie der Verband Österreichischer Privatsender warnt, träfe die Abgabe vor allem österreichische Medienunternehmen – und kostet hunderte Jobs.
12 Prozent auf Streaming-Umsätze – weit über EU-Schnitt
Wie der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) in einer OTS-Presseaussendung vom Montag berichtet, sollen audiovisuelle Mediendienste künftig mit einer Abgabe von 12 Prozent auf ihre Streaming-Umsätze belastet werden. Ein erster Gesetzesentwurf wurde laut Parlamentskorrespondenz bereits im Kulturausschuss des Nationalrats am 24. Februar 2026 von Babler selbst als „weit gediehen“ bezeichnet. Wie ORF.at berichtet, hatte der Kulturminister bereits bei der Berlinale im Februar unmissverständlich erklärt: „Ich bekenne mich zur Streamingabgabe – sie muss kommen.“ Hintergrund: Streaminganbieter erwirtschaften laut Babler rund 600 Millionen Euro Umsatz in Österreich – und 99,9 Prozent davon fließen ins Ausland ab.
Mit 12 Prozent läge Österreich laut VÖP-Aussendung deutlich über vergleichbaren Modellen anderer Länder. Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten hätten auf eine solche Abgabe gänzlich verzichtet, wohl zum Schutz heimischer Medienunternehmen.
Mehr als 20 Millionen Euro Zusatzbelastung – Jobs in Gefahr
Die wirtschaftlichen Konsequenzen wären laut VÖP gravierend. Wie aus der OTS-Presseaussendung des Verbands hervorgeht, würde die Branche durch die neue Abgabe mit weit mehr als 20 Millionen Euro zusätzlich belastet. Betroffen wären dabei nicht nur internationale Plattformen, sondern auch österreichische TV-Sender und Abrufdiensteanbieter. Der VÖP warnt daher vor Arbeitsplatzverlusten in dreistelliger Höhe – vor allem in Redaktion, Produktion, Technik, Vermarktung und digitaler Entwicklung. Die Branche steckt laut VÖP ohnehin bereits in einer existenzbedrohenden Lage: In den vergangenen zwölf Monaten habe der Stellenabbau bereits 10 bis 20 Prozent betragen, weil immer mehr Werbebudgets an ausländische Digitalkonzerne abfließen.
Wie nachrichten.at berichtet, stellt die VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm klar: Man anerkenne zwar die Bedeutung der österreichischen Filmproduktion – aber: „Filmförderung ist eine kulturpolitische Aufgabe des Staates und sollte daher aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, nicht durch Überwälzung auf den wirtschaftlich bereits stark unter Druck stehenden audiovisuellen Mediensektor.“
Ziel verfehlt: Netflix bleibt, Österreicher zahlen
Das ursprüngliche politische Ziel der Maßnahme war es laut VÖP-Aussendung, internationale Anbieter zu treffen, die in Österreich Umsätze erzielen, ohne hier nennenswert Wertschöpfung zu leisten. Doch genau dieses Ziel werde verfehlt: Während Netflix und Co. die Abgabe schlicht über höhere Abo-Preise an ihre Kunden weitergeben könnten, träfen die Kosten heimische Medienhäuser strukturell härter. Die Privatsender fordern daher zumindest, dass erbrachte Wertschöpfung in Österreich in voller Höhe angerechnet wird.
Wie horizont.at berichtet, stehen auch der Filmstandort Wien und die Vienna Film Commission unter wachsendem Druck – mit sinkenden Fördermitteln aus ÖFI+ und FISAplus im zweiten Halbjahr 2025 hatte das Drehaufkommen bereits merklich nachgelassen. Die Hoffnungen der Filmbranche ruhen auf der Streamingabgabe – die Privatsender wollen davon aber nichts wissen.
Credits: APA
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