Der Machtkampf um die SPÖ-Spitze nimmt eine neue Wendung. Während Medienmanager Gerhard Zeiler zuletzt selbst auf Distanz zu Nachfolgespekulationen ging, rückt nun ein anderer Name in den Fokus: Finanzminister Markus Marterbauer.
Zwei Szenarien, ein Ziel
Wie oe24 in seiner Insider-Kolumne von Isabelle Daniel berichtet, ist Parteichef Andreas Babler innerhalb der SPÖ – von Wien bis Bregenz sowie in sämtlichen Vorfeldorganisationen – nach wie vor höchst umstritten. Zwei mögliche Ausstiegsszenarien kursieren dabei in der Partei. Im ersten würde Top-Medienmanager Gerhard Zeiler als SPÖ-Chef und Vizekanzler installiert – ein Wunsch, den vor allem seine Anhänger in der Partei hegen. Zeiler selbst hatte zuletzt öffentlich klargestellt, bislang schlicht nicht gefragt worden zu sein.
Das Marterbauer-Modell
Die zweite, offenbar aktuell aussichtsreichere Variante stammt laut dem Bericht von Babler selbst sowie Teilen der Gewerkschaft. Dabei würde Babler Parteichef bleiben – und dabei auch das Medienministerium behalten wollen –, während Marterbauer zum Finanzminister und gleichzeitig Vizekanzler aufsteigen würde. Mehreren SPÖ-Insidern zufolge wäre Marterbauer grundsätzlich bereit, diesem Wunsch Bablers zu entsprechen.
Zwei offene Fragen
Ganz sicher ist die Sache aber noch nicht. Der Bericht nennt zwei mögliche Hindernisse: Marterbauer wird derzeit im Wiener AKH wegen eines Lymphoms behandelt, wobei die Therapie nach bisherigem Verlauf gut anschlägt, aber noch einige Wochen andauern soll. Sollte er dabei grünes Licht erhalten – wovon laut dem Bericht auszugehen ist –, könnte er das Vizekanzleramt übernehmen. Zusätzlich soll er gegenüber Parteikollegen aber betont haben, vor einer endgültigen Entscheidung noch mit seiner Frau sprechen zu müssen – nur mit ihrer Zustimmung werde der Wechsel an der SPÖ-Regierungsspitze überhaupt zustande kommen.
Reichen die Personalpläne, um Kritiker zu besänftigen?
Offen bleibt auch, ob ein solcher Umbau die parteiinternen Babler-Kritiker tatsächlich zufriedenstellen würde. Ein SPÖ-Spitzenfunktionär reagierte auf diese Frage gegenüber oe24 ausweichend: „Ich weiß es nicht.“ Aus dem Lager der Babler-Kritiker heißt es unterdessen, Zeiler könne trotz allem „immer noch Kanzler-Kandidat werden“ – vorausgesetzt, seine Unterstützer würden endlich das Gespräch mit den entscheidenden Playern innerhalb der SPÖ suchen. Genau das sei bislang offenbar nicht geschehen.
Ob sich die Partei tatsächlich für das Marterbauer-Modell, eine Zeiler-Lösung oder den Verbleib des Status quo entscheidet, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Credits: Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
Neueste Kommentare