Aussteiger packt aus: Schockierende Einblicke in Identitären-Milieu

Aussteiger packt aus: Schockierende Einblicke in Identitären-Milieu

Eine Person aus dem unmittelbaren Umfeld der rechtsextremen Identitären Bewegung bricht das Schweigen und schildert von innen, wie in diesem Milieu Schädel vermessen wurden. Es ist der jüngste Teil einer mehrteiligen Enthüllungsserie, die seit Wochen für politischen Wirbel in Österreich sorgt.

Eine Serie mit Sprengkraft

Wie der Standard in seiner aktuellen Recherche berichtet, werden im Umfeld einer österreichischen Parteijugend wieder Schädel vermessen. Die Enthüllungen sind Teil einer mehrteiligen Serie, die in den vergangenen zwei Wochen erschienen ist und zeigt, wie eng die Parteijugend der FPÖ – insbesondere in Wien – mit der Identitären Bewegung und deren studentischer Tarnorganisation „Aktion 451“ verflochten ist. Der nun veröffentlichte Bericht eines Ausstiegswilligen aus diesem Umfeld liefert dazu eine „eindringliche Warnung an uns alle“, wie es im Standard heißt, und beschreibt einen befürchteten „Zusammenbruch jeglicher Moral“ innerhalb der Szene.

„Arierknochen“ und eine geheime Prüfprozedur

Bereits die ersten Teile der Serie, die auf internen Chats, Vortragsmitschnitten, Fotos, Videos sowie Aussagen mehrerer ehemaliger Beteiligter beruhen, hatten für erhebliches Aufsehen gesorgt. Wie der Standard Ende August aufdeckte, soll es innerhalb der von Identitären-Gründungsfigur Martin Sellner initiierten „Aktion 451“ eine intern als „RFJ-Untersuchung“ bezeichnete Prozedur gegeben haben, bei der Physiognomie und Schädelprofile vermessen wurden – darunter ein sogenannter „Arierknochen“ am Hinterkopf, ein Konzept aus der NS-Rassenlehre. Die „Aktion 451“ wird vom Verfassungsschutz als identitäre Tarnorganisation eingestuft und richtet sich vorrangig an Studierende.

Jobvermittlung bis ins Parlament

Besonders brisant an den Standard-Recherchen ist der Vorwurf, dass aus dem Umfeld der „Aktion 451“ gezielt Personen für Jobs bei FPÖ und Freiheitlicher Jugend (FJ) rekrutiert worden seien – teils sogar für Stellen im Parlament. Ein Funktionär soll in diesem Zusammenhang unter den Rechtsextremen scherzhaft als „Kreditkarte“ bezeichnet worden sein, was Fragen nach möglichen Geldflüssen der FJ an die identitäre Gruppierung aufwarf.

Politische Reaktionen: Bauer kündigt Prüfung an, Grüne fordern Verbot

Die Enthüllungen blieben politisch nicht folgenlos. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP), in deren Zuständigkeit die Bundesjugendförderung fällt, kündigte gegenüber dem Standard eine umgehende Prüfung an. Sollten sich kolportierte Zahlungen der FJ an die „Aktion 451“ mit Mitteln der Bundesjugendförderung bestätigen, wäre das aus ihrer Sicht mutmaßlich Fördermissbrauch. Sie will zudem prüfen, ob die unter ihr eingeführte Antisemitismus-Klausel zur Anwendung kommen kann. Die Grünen gingen noch einen Schritt weiter: Abgeordneter Lukas Hammer forderte eine Verbotsprüfung sowohl für die Identitären als auch für die FPÖ-Jugend und will zusätzlich den Rechnungshof einschalten.

FPÖ weist Vorwürfe scharf zurück

Die Freiheitliche Jugend bestreitet unterdessen jegliche Geldflüsse an die Identitären. FJ-Obmann und Nationalratsabgeordneter Maximilian Weinzierl bezeichnete die Berichterstattung des Standard in einer Aussendung als „Fake-Kampagne eines linkslastigen Mediums“ und betonte, seine Organisation könne finanzielle Unterstützung oder sonstige Geldflüsse an die „Aktion 451“ oder die Identitäre Bewegung ausschließen.

Ob die angekündigten Prüfungen von Ministerium und Rechnungshof tatsächlich zu handfesten Konsequenzen führen, bleibt vorerst offen – die Aufarbeitung der Vorwürfe dürfte die österreichische Innenpolitik aber noch länger beschäftigen.

Credits: Manfred Werner (Tsui) – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=136495823

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x