Asbest-Verdacht auch bei Schulen: 19 Standorte im Burgenland betroffen

Asbest-Verdacht auch bei Schulen: 19 Standorte im Burgenland betroffen

Die Asbest-Affäre im Burgenland weitet sich weiter aus – diesmal direkt in die Nähe von Bildungseinrichtungen. Bei 19 Schulen im Burgenland sowie drei weiteren in der Steiermark und Niederösterreich wurden Steine mit möglichen Asbest-Kennzeichen entdeckt, in zwei burgenländischen Fällen bereits durch Labortests bestätigt.

22 Schulstandorte insgesamt unter Verdacht

Laut Greenpeace wurden bei insgesamt 19 Bildungseinrichtungen im Burgenland sowie zwei in der Steiermark und einer in Niederösterreich Steine identifiziert, die „charakteristische Kennzeichen“ für Asbest aufweisen, wie die „Kronen Zeitung“ berichtet. In elf Fällen stammen die Hinweise von einer Südburgenländerin, die die Umgebung mehrerer Schulstandorte eigenständig unter die Lupe genommen hatte.

Zwei bestätigte Fälle: Rechnitz und Stegersbach

Konkret bestätigt wurde der Asbest-Verdacht bislang in zwei Gemeinden. In Rechnitz befindet sich in der Nähe des Schulgebäudes eine alte Steinmauer, die offenbar asbesthaltige Teile enthält. Beim Campus Stegersbach ließ die Frau den Staub eines neuen, provisorischen Schotterparkplatzes untersuchen – auch hier fiel das Laborergebnis positiv aus. Für sie ist das ein Beleg dafür, dass sich belastetes Material – etwa als Splitt, Bodenbelag, Asphalt oder Dekostein – wohl bei zahlreichen weiteren Schulen befinden dürfte: „Es sollte aber überhaupt kein Asbestmaterial vor Schulen oder generell in der Umgebung von Menschen sein.“ Sie fordert zudem mehr gezielte Information zum Thema Asbest gerade für Schülerinnen und Schüler, die sich das nötige Wissen bislang selbst zusammensuchen müssten.

Greenpeace fordert raschen Sanierungsfonds

Für Greenpeace stellen die aktuell gemeldeten Verdachtsflächen nur „die Spitze des Eisbergs“ dar. Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams der Organisation, findet klare Worte: „Asbest hat vor Schulen und Kindergärten gar nichts verloren. Die gemeldeten Standorte müssen schnellstmöglich überprüft und gesichert werden.“ Von Bundeskanzler Christian Stocker fordert er zudem die rasche Einrichtung eines eigenen Asbestsanierungs-Fonds nach ungarischem Vorbild – ein Verweis auf die bereits laufende millionenschwere Sanierung belasteter Straßenzüge im ungarischen Szombathely, wohin über Jahre ebenfalls Schotter aus burgenländischen Steinbrüchen geliefert worden sein soll.

Land und Bildungsdirektion erst durch Anfrage informiert

Bemerkenswert ist, dass sowohl Land als auch Bildungsdirektion nach eigenen Angaben erst durch eine entsprechende Medienanfrage von den Verdachtsfällen an den Schulstandorten erfuhren. In einer Stellungnahme wird betont, jede Meldung zu möglichen Asbestbelastungen werde sehr ernst genommen: „Sicherheit und Gesundheit haben höchste Priorität, allen voran, wenn es um Kinder und Jugendliche geht.“ Gleichzeitig bedeute der bloße Nachweis von Asbest in einem Material nicht automatisch eine tatsächliche Gesundheitsgefährdung.

Die medizinische Einordnung: Es kommt auf die Fasern an

Diese Differenzierung erläutert Taskforce-Leiter und Umweltmediziner Hans-Peter Hutter genauer: „Es geht ausschließlich um die Frage, ob vom Asbestmaterial einzelne, winzige Fasern freigesetzt werden, sodass diese auch eingeatmet werden und in tiefe Lungenabschnitte gelangen können. Das reine Vorliegen asbesthaltiger Materialien, beispielsweise in Stützmauern oder gebunden in Asphalt, stellt grundsätzlich noch keine Gefährdung dar.“ Eine tatsächliche Gefährdung entstehe erst bei starker mechanischer Beanspruchung, etwa wenn faserhaltiges Streusplitt durch den Verkehr zerrieben wird und dabei Fasern in die Luft freigesetzt werden – genau das gelte es aus vorsorgemedizinischen Gründen zu vermeiden. Die Bildungsdirektion kündigte an, die betroffenen Schulerhalter nun entsprechend zu informieren.

Ein wachsendes Kapitel der Asbest-Affäre

Die aktuellen Funde an Schulstandorten reihen sich in eine bereits seit Wochen laufende Aufarbeitung der Asbest-Belastung aus burgenländischen Steinbrüchen ein. Wie berichtet, sorgt die Affäre nicht nur wegen der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Dimension für Aufsehen, sondern zunehmend auch wegen des politischen Umgangs damit: Zuletzt war bekannt geworden, dass Mitarbeiter der burgenländischen Landesverwaltung nach kritischer Medienberichterstattung eindringlich an ihre Verschwiegenheitspflichten erinnert wurden – ein Vorgehen, das die ÖVP als Einschüchterungsversuch kritisierte. Ob und wie rasch die nun gemeldeten Schulstandorte tatsächlich überprüft werden, bleibt vorerst offen.

Credits: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132227569

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