Armin Wolf zum ORF-Beitrag: “Eigentlich müssten die allermeisten Leute applaudieren”

Armin Wolf zum ORF-Beitrag: “Eigentlich müssten die allermeisten Leute applaudieren”

Bei einer Diskussion in der Wiener Urania sprach der “ZiB2”-Moderator über den unbeliebten ORF-Beitrag, drohende Kündigungen am Küniglberg und seine eigenen Schwächen. Und er machte klar, warum er nicht ORF-Generaldirektor werden wollte.

“Wahnsinnig unpopulär”

Wolf äußerte sich am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der “Datum”-Stiftung, wie der “Standard” berichtet. Er betonte, als Privatperson zu sprechen und nicht für die ORF-Geschäftsführung. Den ORF-Beitrag hält er vor allem für ein Kommunikationsproblem. Er gelte als “wahnsinnig unpopulär”, obwohl er für viele Haushalte günstiger sei als die frühere GIS-Gebühr. In Wien seien die Kosten von 28,60 Euro auf 15,30 Euro im Monat gesunken, rechnerisch eine Senkung um fast die Hälfte. In einigen Bundesländern kommen allerdings Landesabgaben dazu. “Eigentlich müssten die allermeisten Leute applaudieren jeden Tag”, sagte Wolf.

Warum der Beitrag trotzdem stört

Ganz so einfach ist die Rechnung allerdings nicht. Den ORF-Beitrag zahlt seit 2024 grundsätzlich jeder Haushalt, unabhängig davon, ob dort ein Fernseher steht oder ORF-Programme genutzt werden. Für Haushalte, die früher keine GIS-Gebühr zahlten, ist er also eine neue Belastung. Das erklärt einen Teil der Ablehnung. Die FPÖ sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren gegen den Beitrag, ein weiteres, von der FPÖ unabhängiges Volksbegehren fordert ebenfalls seine Abschaffung.

Erstmals Kündigungen beim ORF?

Finanziell sieht Wolf schwierige Zeiten auf den Sender zukommen. Er rechnet damit, dass der ORF 2027 erstmals in seiner Geschichte aus wirtschaftlichen Gründen Mitarbeiter kündigen muss. Als Gründe nannte er den bis 2029 eingefrorenen Beitrag und den Wegfall eines jährlichen Bundeszuschusses von 93 Millionen Euro ab 2027, das entspricht laut Wolf etwa acht Prozent des Jahresbudgets. Der künftige Generaldirektor Clemens Pig, der im Jänner übernimmt, habe bereits von einer Finanzierungslücke von bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr gesprochen. Die derzeitige Übergangsphase mit Ingrid Thurnher, die noch bis Jahresende im Amt ist, nannte Wolf ein “komisches Interregnum”.

Kein Interesse an der Chefetage

Auch zu seiner eigenen Zukunft äußerte sich der Moderator. Für die Generaldirektion habe er sich nicht beworben, weil er den Posten für eine Aufgabe halte, die er nicht übernehmen könne, unter den derzeitigen Bedingungen ohnehin nicht. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen den Stiftungsrat, den er als politisch besetztes “Mini-Parlament” bezeichnete. Er wünsche sich ein kleineres Gremium mit Fachleuten oder einen Bürgerrat. Auch die Entscheidung von 2012, am Küniglberg zu bleiben statt neu zu bauen, hält er für “ganz falsch”.

Sein größter Fehler

Überraschend selbstkritisch zeigte sich Wolf bei seinen Interviews. Sein größter Fehler sei, zu oft nachzufragen, weil es ihn nerve, wenn Fragen nicht beantwortet werden. Als positives Gegenbeispiel nannte er Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Deutliche Worte fand er auch über soziale Medien: Wenn er könnte, würde er sie verbieten, weil sie die Welt insgesamt schlechter gemacht hätten. Dass Wolf selbst über viele Jahre einer der bekanntesten österreichischen Journalisten auf X war, ist dabei eine Pointe für sich.

Credits: EXPA/ Michael Gruber

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