App statt Zettelwirtschaft: Wiederkehr will Schulen entbürokratisieren – doch die Kritik ist laut

App statt Zettelwirtschaft: Wiederkehr will Schulen entbürokratisieren – doch die Kritik ist laut

Großer Paukenschlag im Bildungsministerium: Minister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat am Freitag sein mit Spannung erwartetes Zehn-Punkte-Programm gegen den Bürokratiemoloch an Österreichs Schulen präsentiert. Unter dem Motto „Weniger Bürokratie, mehr Autonomie, mehr Freiraum“ soll der Schulalltag für Lehrer und Direktoren spürbar einfacher werden. Doch während der Minister von einem „Kulturwandel“ spricht, hagelt es von Opposition und Lehrervertretern heftige Kritik.

Heftiger Gegenwind für den Minister

Noch bevor Wiederkehr seine Pläne überhaupt der Öffentlichkeit vorstellen konnte, kam bereits scharfer Gegenwind auf. Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger warf dem Minister laut den Oberösterreichischen Nachrichten „populistische Schlagzeilen“ vor. Seit Wiederkehr im Amt sei, jage „eine bildungspolitische Ankündigung die andere“, vieles davon sei aber „pädagogischer Firlefanz“. Kimberger stellte dem Minister ein denkbar schlechtes Zeugnis aus und meinte, die vielen Ankündigungen würden für die Schulen vor allem „erhebliche Zusatzbelastungen“ bedeuten.

Auch die FPÖ ließ kein gutes Haar an dem Paket. Bildungssprecher Hermann Brückl sprach in einer Aussendung von „reiner Kosmetik“ und „NEOS-Märchenstunden“. Was Lehrer, Schüler und Eltern bräuchten, seien „echte Reformen“ statt PR-Shows.

Digitale Revolution im Lehrerzimmer?

Unbeeindruckt von der Kritik verteidigte Wiederkehr seine Pläne. Schulleitungen würden über 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit „bürokratischen Auflagen“ verbringen, das müsse sich ändern. Ein zentraler Punkt des Pakets ist die digitale Offensive. So sollen Zeugnisse künftig dauerhaft digital im Schulverwaltungssystem „Sokrates“ gespeichert und elektronisch zugestellt werden können. Die bisherige Pflicht, Zeugnisse 60 Jahre lang physisch aufzubewahren, fällt damit weg.

Eine neue App namens „Teachers.direct“ soll Lehrern ab dem kommenden Frühjahr das Leben leichter machen. Anträge und Meldungen, etwa für eine Schwangerschaft, können dann einfach per App erledigt werden, statt wie bisher mühsam per Hand ausgefüllt zu werden. Außerdem wurden bereits 80 Prozent der Rundschreiben ersatzlos gestrichen, wie oe24.at berichtet.

Mehr Freiheit bei Deutschförderung und Abschlussarbeiten

Auch in anderen Bereichen verspricht der Minister mehr Freiheiten. Bei der Sprachförderung müssen die verpflichtenden MIKA-D-Tests ab dem Schuljahr 2026/27 nur noch einmal jährlich statt wie bisher jedes Semester durchgeführt werden. Zusätzliche Tests werden freiwillig.

Eine weitere Erleichterung betrifft die Vorwissenschaftlichen Arbeiten an den AHS: Die Nutzung des ABA-Portals zur Dokumentation wird freiwillig. Dies soll den Fokus wieder stärker auf die pädagogische Betreuung und die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern legen.

Um die Fortschritte transparent zu machen, kündigte Wiederkehr einen „Freiraum-Tracker“ an. Ab Frühjahr 2026 soll online einsehbar sein, welche der über 19.000 eingegangenen Vorschläge umgesetzt wurden – und welche nicht. Es bleibe abzuwarten, ob dieser „Kulturwandel“ den Praxistest in den Schulen besteht.

Credits: APA

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