Am Dienstagvormittag kommt es im Wiener Bundeskanzleramt zur ersten offiziellen Begegnung zwischen Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und dem neuen tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš. Der 71-jährige Unternehmer und Politiker ist erst seit wenigen Wochen wieder im Amt – seine zweite Amtszeit nach der Periode von 2017 bis 2021.
Bilaterale Beziehungen und europäische Herausforderungen
Auf der Agenda des Antrittsbesuchs stehen neben den bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Tschechien vor allem aktuelle europäische Themen. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU, der Kampf gegen illegale Migration und geopolitische Entwicklungen bilden die Schwerpunkte der Gespräche, wie die APA berichtet.
Nach einem Vier-Augen-Gespräch zwischen den beiden Regierungschefs folgt ein Delegationsgespräch, an dem auch Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) teilnimmt. Den Abschluss des Wiener Programms bildet eine gemeinsame Pressekonferenz der beiden Politiker.
Slavkov-Treffen in Bratislava am Nachmittag
Der offizielle Besuch endet nicht in Wien. Am Nachmittag reisen Stocker und Babiš weiter in die slowakische Hauptstadt Bratislava zum sogenannten Slavkov-Meeting. Dort trifft das Duo auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico.
Das Treffen im Austerlitz-Format dient als Vorbereitung auf das informelle Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Belgien. Die drei Regierungschefs wollen ihre gemeinsamen Forderungen und konkreten Vorschläge zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit abstimmen. Weitere Themen sind laut APA geopolitische Entwicklungen, Migration und nachbarschaftliche Zusammenarbeit.
Premiere für Bundeskanzler Stocker
Das Slavkov-Format – auch Austerlitz-Format genannt – wurde 2015 in der südmährischen Stadt Slavkov u Brna (Austerlitz) ins Leben gerufen. Österreich, Tschechien und die Slowakei konsultieren sich seitdem regelmäßig in dieser Dreierkonstellation. Für Bundeskanzler Stocker ist es das erste Treffen in diesem Format.
Babiš – Der umstrittene Comeback-Politiker
Andrej Babiš, geboren 1954 in Bratislava, ist Gründer und ehemaliger Eigentümer des Agrofert-Konzerns, einer der größten Holdinggesellschaften Tschechiens. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, übertrug er seine Anteile im Dezember 2025 in eine unabhängige Treuhand, wie Radio Prag International berichtet.
Bei der Abgeordnetenhauswahl im Oktober 2025 gewann Babiš‘ Partei ANO deutlich und bildet nun eine Koalitionsregierung mit zwei rechtsnationalistischen Parteien. Staatspräsident Petr Pavel ernannte ihn am 9. Dezember 2025 zum Ministerpräsidenten. Die ersten Wochen der neuen Regierung verliefen turbulent – Anfang Februar demonstrierten in Prag bis zu 90.000 Menschen gegen die Regierung, wie Nachrichten.at berichtet.
Das Treffen in Wien markiert einen wichtigen Moment in den österreichisch-tschechischen Beziehungen und zeigt die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit im Vorfeld wichtiger EU-Entscheidungen.
Credits: APA
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