Bagger auf geschützten Stränden, Stacheldraht vor dem Meer, Tausende auf der Straße — und mittendrin: Jared Kushner, Ivanka Trump und ein Vier-Milliarden-Euro-Projekt auf einer albanischen Insel. Was hier passiert, hat ein Déjà-vu-Gefühl.
Ein Schwimmstopp als Geschäftsidee
Die Geschichte begann mit einer Anekdote. Ivanka Trump beschrieb in einem Podcast-Interview, wie sie und ihr Ehemann Jared Kushner auf einem Freundesboot vor Albaniens Küste haltmachten, um zu schwimmen. „Wir haben die Insel quasi entdeckt“, sagte sie laut Al Jazeera. Die Rede war von Sazan — einer kleinen, unbewohnten Insel vor der albanischen Adriaküste, auf der sich einst eine Militärbasis befand.
Aus diesem Moment wurde ein Milliardenprojekt. Kushners Unternehmen Atlantic Incubation Partners LLC plant laut Tagesspiegel eine Investition von 1,4 Milliarden Euro, um auf Sazan und angrenzenden Küstenabschnitten ein Luxusresort zu errichten. Die albanische Regierung unter Premier Edi Rama verlieh Kushner dafür den Status eines „strategischen Investors“ — und beschleunigte die Genehmigungsverfahren.
Bagger, Stacheldraht, Proteste
Seit Ende Mai rollen laut Euronews schwere Maschinen in das Gebiet: Zufahrtswege werden angelegt, Flächen zwischen Kiefern gerodet, Zäune errichtet. Am 3. Juni versammelten sich laut Tagesspiegel und Al Jazeera tausende Menschen in Tiranas Straßen — drei Abende in Folge. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie „Albanien ist nicht zu verkaufen“, „Ich will nicht, dass Albanien wie Dubai wird“ und „Ivanka, geh nach Hause“. Demonstranten clashten laut Al Jazeera mit privaten Sicherheitskräften, als Entwickler Stacheldraht quer über den Strandzugang errichteten.
Umweltverbände aus Albanien und ganz Europa bezeichnen die Bauarbeiten laut Euronews als irreversible Zerstörung seit langem geschützter Lebensräume. Flamingo-Ausschnitte auf den Protesten verweisen auf eine der seltenen Vogelarten, die das betroffene Küstengebiet als Lebensraum nutzt.
Rama hält fest — Ermittler ermitteln
Albaniens Premier Edi Rama stellte sich klar vor das Projekt. „Albanien sollte kein Land sein, das ein außergewöhnliches Projekt wie dieses fürchtet“, sagte er laut Euronews, und fügte hinzu: „Solange ich hier bin, gibt es keine Chance, dass diese Investition gestoppt wird.“ Die staatliche Antikorruptionsbehörde sieht das offenbar anders: Laut Euronews hat sie Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Projekt aufgenommen — ohne weitere Details zu nennen.
Strittig ist auch die Eigentumsfrage. Die Regierung erklärt laut Euronews, das Land befinde sich in Privatbesitz. Konkurrierende Eigentumsansprüche stellen diese Privatisierung jedoch infrage — ein in Albanien häufiges juristisches Problem, das aus der schnellen und oft intransparenten Privatisierung von Staatseigentum nach dem Ende des Kommunismus herrührt.
Das Serbien-Déjà-vu
Die Situation in Albanien weckt Erinnerungen an Serbien. Dort plante Kushners Firma Affinity Partners den Umbau eines von der NATO 1999 bombardierten Militärgeländes in Belgrad zu einem Luxuskomplex. Das serbische Parlament verabschiedete laut AP im November 2025 eigens ein Sondergesetz, um das Projekt trotz rechtlicher Hürden zu ermöglichen. Was folgte, waren Massenproteste — Zehntausende in Belgrad. Der Unterschied: In Albanien kam der Widerstand früher.
Kushners Partnerfirma Sazan Real Estate Development LLC verteidigte die Pläne gegenüber Reuters mit Verweis auf „verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen“ und „Schaffung langfristiger Werte für lokale Gemeinden.“
Credits: Bild KI-generiert
Neueste Kommentare