Das Finanzministerium zeichnet ein dramatisches Bild der österreichischen Zukunft. Die Staatsschulden steigen bis 2060 auf fast 150 Prozent des BIP – ein Niveau, das heute mit Griechenlands Krise vergleichbar wäre. Haupttreiber: Alterung und steigende Zinsen.
Deutliche Verschlechterung gegenüber 2022
Alle drei Jahre legt das Finanzministerium eine Langfristprognose vor. Die aktuelle Ausgabe, die auf einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) basiert, fällt drastisch schlechter aus als die letzte Version von 2022. Damals rechnete man noch mit einer Schuldenquote von 120,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für 2060 – jetzt sind es 148,2 Prozent.
Das ist eine Verschlechterung um satte 27,4 Prozentpunkte, wie aus dem ans Parlament übermittelten Bericht hervorgeht. Die höhere Schuldenquote liegt nicht nur am absolut höheren Schuldenstand, sondern auch an einem niedrigeren erwarteten BIP-Wachstum.
Was passiert ohne Gegensteuern?
Ohne die bereits beschlossenen und geplanten Konsolidierungsmaßnahmen wäre die Lage noch dramatischer: Die Schuldenquote würde bis 2060 auf mehr als 250 Prozent des BIP steigen, warnt das Finanzministerium. Das zeigt, dass die 6,4 Milliarden Euro (2025) und 8,7 Milliarden Euro (2026) an Einsparungen zumindest die Entwicklung dämpfen.
Aktuell liegt die Schuldenquote bei etwa 82 Prozent. Bis 2026 soll sie laut Finanzministerium bereits auf 86,2 Prozent klettern. Der Maastricht-Saldo – also das Verhältnis von Defizit zum BIP – verschlechtert sich von minus 2,8 Prozent im Jahr 2029 stetig auf minus 7,4 Prozent im Jahr 2060.
Alterung treibt die Kosten massiv
Der Hauptgrund für die explodierende Verschuldung ist die demografische Entwicklung. Die sogenannten demografieabhängigen Ausgaben – Pensionen, Gesundheit, Pflege, Bildung und Familienleistungen – betrugen 2024 bereits 31,2 Prozent des BIP. Bis 2060 steigen sie auf 34,6 Prozent, wie das Parlament berichtet.
Besonders stark treffen folgende Bereiche ins Gewicht: Gesundheit und Pflege steigen jeweils um 1,3 Prozent des BIP, Pensionen um 0,6 Prozent. Diese drei Bereiche machen den Löwenanteil der zusätzlichen Belastung aus.
Baby Boomer als Kostenfaktor
Die Pensionsausgaben halten besonders bis 2035 eine starke Dynamik. Von derzeit 15,2 Prozent steigen sie auf 15,9 Prozent des BIP. Ab 2040 sollen sie dann wieder leicht sinken, weil die Generation der Baby Boomer bereits im Pensionsalter ist. Für 2060 werden Pensionsausgaben von 15,8 Prozent des BIP prognostiziert.
Der demografische Wandel ist dramatisch: Im Jahr 2020 kamen 3,5 Personen im Erwerbsalter auf eine Person über 65. Bis 2040 reduziert sich dieses Verhältnis auf 2,2 zu 1 – und 2060 liegt es nur noch bei 2,0 zu 1. Das bedeutet nicht nur mehr Pensionisten, sondern auch massiv steigenden Bedarf in Pflege und Gesundheitsversorgung.
Zinsausgaben fressen Budget auf
Ein weiterer Kostentreiber sind die Zinsausgaben. Nach Jahren der Nullzinspolitik hat sich das Zinsumfeld seit 2022 drastisch geändert. Die Zinsausgaben sollen bis 2060 um 3,6 Prozent des BIP steigen – ein gewaltiger Betrag, der den budgetären Spielraum massiv einengt.
Die Gesamtausgaben des Staates steigen laut Bericht bis 2060 auf 58,6 Prozent des BIP. Zum Vergleich: 2024 lagen sie bei etwas mehr als 55 Prozent.
Wachstum reicht nicht aus
Hoffnungen auf höheres Wirtschaftswachstum als Lösung zerschlägt das WIFO. Das langfristige reale BIP-Wachstum wird auf durchschnittlich 1,0 Prozent pro Jahr geschätzt. Das ist deutlich weniger als die 1,6 Prozent im Durchschnitt von 1995 bis 2024.
Der technische Fortschritt und die Gesamtproduktivität sollen zwar um 0,5 Prozent pro Jahr wachsen – mehr als in der Vergangenheit (0,3 Prozent). Doch das reicht bei weitem nicht aus, um die demografischen Lasten aufzufangen.
Was bedeutet das konkret?
Die Prognose zeigt: Ohne weitere massive Konsolidierungsmaßnahmen nach 2029 steuert Österreich auf eine Schuldenkrise zu. Eine Fortsetzung der Konsolidierung im Einklang mit den EU-Vorgaben könnte die Schuldenquote laut Finanzministerium auf 90 Prozent stabilisieren.
Die Maastricht-Kriterien der EU – ein Defizit unter 3 Prozent und eine Schuldenquote unter 60 Prozent des BIP – werden unter den gegebenen Bedingungen in nahezu allen Jahren verfehlt. Das liegt daran, dass für die Jahre nach 2029 noch keine konkreten Konsolidierungsmaßnahmen definiert sind.
Die Botschaft ist klar: Österreich muss entweder massiv sparen, Einnahmen erhöhen oder strukturelle Reformen durchführen – oder eine Kombination aus allem. Ansonsten droht dem Land eine Schuldenlast, die kommende Generationen erdrückt.
Quellen:
- Finanzministerium Österreich (Langfristige Budgetprognose 2025)
- Parlament Österreich
- WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung)
- oe24.at
- ORF.at
- Puls24
Credits: APA
Neueste Kommentare