Eine neue Bildungsoffensive, die harmlos daherkommt, sorgt für Aufsehen. Unter dem Deckmantel von Integration und Multikulturalismus scheint die türkische Regierungspartei AKP ihren Einfluss auf junge Deutsch- und Österreich-Türken massiv ausbauen zu wollen. Wie exxpress.at berichtet, verbirgt sich hinter der sogenannten „Internationalen Gesellschaftsakademie“ (UTA) mit Sitz in Köln eine Initiative der Union Internationaler Demokraten (UID), dem berüchtigten Auslandsarm von Präsident Erdogan.
Tarnung als Integrationsprojekt?
Auf dem Papier klingt alles wunderbar. Die UTA will laut eigener Beschreibung den „Kampf gegen Rassismus“ führen und Generationen heranbilden, die „aktiv in einer multikulturellen und friedlichen Welt mitwirken“. Doch ein genauerer Blick entlarvt die wahren Absichten: Die Akademie soll die „internationale Anerkennung der UID stärken“, so steht es in der Eigendefinition. Die UID, die von der Dokumentationsstelle Politischer Islam als Teil eines Netzwerks zur Verankerung konservativ-islamischer Normen in Europa eingestuft wird, fungiert hier als treibende Kraft. Der Vorsitzende von UID-Österreich, Mahmut Koc, zeigt sich auf Facebook stolz an der Seite von Erdogan.
Terror-Freunde als Referenten
Besonders brisant wird es bei der Auswahl der Redner. Für ein Seminar in Köln lud die UID hochkarätige AKP-Politiker ein – darunter Männer, die offen Terroristen der Hamas verherrlichen. Einer von ihnen, der ehemalige türkische Innenminister Süleyman Soylu, huldigte laut exxpress.at auf X (ehemals Twitter) dem Organisator des Hamas-Überfalls auf Israel, Yahya Sinwar, als Märtyrer. Er postete: „Ich verneige mich mit Respekt vor dem Martyrium von Yahya Sinvar.“ Soylu sprach in Köln ausgerechnet über „Grundlegende politische Konzepte und Strukturen“.
Auch Abdulhadi Turus, Präsident der „Vereinigung der Türken im Ausland“ (YTB), macht aus seiner Sympathie für die Hamas keinen Hehl. Nach der Tötung von Hamas-Anführer Ismail Haniye schrieb er auf X, dessen Tod werde „zur Einheit der islamischen Welt“ führen. Er referierte in Köln über den „Kampf gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Diskriminierung“.
Politik schaut weg
Während AKP-Vertreter wie der stellvertretende Vorsitzende Zafer Sirakaya ungestört durch Europa touren und sich mit Vertretern rechtsextremer Organisationen wie der Türkischen Föderation treffen, scheinen die Behörden in Deutschland und Österreich wegzusehen. Das Kölner Seminar fand in einem städtischen Umweltbildungszentrum statt, dessen grüner Geschäftsführer erst durch eine Presseanfrage auf die brisanten Gäste aufmerksam wurde. Da war es für eine Absage bereits zu spät.
Kritik kommt mittlerweile aus der austro-türkischen Gemeinschaft selbst. Der Journalist Adem Hüyük warnt auf seinem Portal „Der Virgül“, dass die UTA „kein pluralistisches, sondern ein enger definiertes Identitätsmodell“ vermittle, das stark an die Türkei orientiert sei. Seine Frage hallt nach: „Warum soll politische Bildung für das europäisch-türkische Leben aus Ankara gesteuert werden?“
Prominente Gäste bei UID-Hochzeit
Die engen Verflechtungen reichen bis in die heimische Politik. Wie exxpress.at berichtet, feierte die türkische Prominenz am vergangenen Sonntag bei der Hochzeit der Tochter von UID-Chef Mahmut Koc in Wien. Unter den Gästen: AKP-Vize Sirakaya, der direkt aus Köln eingeflogen war, der türkische Botschafter und die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Alishan Bozatemur. Mit der Anwesenheit von Ümit Vural, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), schloss sich der Kreis zwischen Erdogans Vorfeldorganisationen und etablierten Vertretern in Österreich. Ein Netzwerk, das die europäische Politik offenbar tatenlos hinnimmt.
Credits: APA
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