AK-Studie zum Budget: Sparmaßnahmen treffen Frauen und Männer ungleich

AK-Studie zum Budget: Sparmaßnahmen treffen Frauen und Männer ungleich

Mitten in den Budgetverhandlungen legt die Arbeiterkammer eine Studie vor, die zeigt: Wer gespart wird, macht einen erheblichen Unterschied – je nach Geschlecht. Gleichzeitig prescht die Agenda Austria mit einem Radikalpaket vor.

AK-Studie: Ausgabenseitig sparen belastet Frauen mehr

Eine von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebene und am Montag präsentierte Studie des WIFO kommt zu einem klaren Befund. Wie oe24 unter Berufung auf AK-Präsidentin Renate Anderl berichtete, treffen ausgabenseitige Sparmaßnahmen Frauen tendenziell stärker als Männer – während einnahmenseitige Maßnahmen eher Männer belasten, da diese im Schnitt höhere Vermögen und Einkommen hätten.

Studienautorin und WIFO-Ökonomin Margit Schratzenstaller verdeutlichte das am Beispiel Pflege: Frauen würden wegen ihrer höheren Lebenserwartung häufiger gepflegt, gleichzeitig arbeiten mehrheitlich Frauen in der Pflege. Werden hier Mittel gekürzt, würden zudem vermehrt Frauen als pflegende Angehörige einspringen – mit Folgen für ihre Berufstätigkeit und damit für den Gender Pay Gap. Ähnliche Wirkungskanäle seien laut oe24 auch bei Kürzungen in der Kinderbetreuung oder im Bildungsbereich zu erwarten.

Anderl: „Ehrlich über Lohnnebenkosten reden“

AK-Präsidentin Anderl forderte die Koalition auf, bei den Verhandlungen Gleichstellungsaspekte stärker zu berücksichtigen. Wie oe24 berichtete, plädiert sie für einen stärkeren Fokus auf einnahmenseitige Konsolidierungsmaßnahmen – etwa Erbschafts- und Vermögenssteuern oder einen höheren Einkommenssteuerspitzensatz. Zur diskutierten Lohnnebenkostensenkung sagte Anderl, man müsse „ehrlich“ damit sein: Diese sei eine Entlastung für Betriebe. Eine Garantie, dass dadurch mehr Jobs entstehen oder Beschäftigte tatsächlich mehr Netto erhalten, gebe es nicht.

Wie die Maßnahmen zu Pensionen und Lohnnebenkosten sich konkret auf die Gleichstellung auswirken würden, hänge von der Ausgestaltung ab, ergänzte Schratzenstaller laut oe24. Bei Pensionskürzungen mache es etwa einen großen Unterschied, ob einheitlich oder sozial gestaffelt gespart werde.

Agenda Austria: Nulllohnrunde, Pensionsalter 68, Förderungen streichen

Parallel legte die wirtschaftsliberale Denkfabrik Agenda Austria am Montag ein eigenes Sanierungspaket vor. Wie oe24 berichtete, schlägt der Think Tank unter anderem vor: eine Nulllohnrunde für alle öffentlich Bediensteten bis 2028, eine Senkung des Personalstands im öffentlichen Dienst sowie zehn Prozent Selbstbehalt bei Arztbesuchen bis maximal 700 Euro pro Jahr.

Besonders weitreichend sind die Pläne bei den Pensionen: Das Antrittsalter soll ab 2028 pro Jahrgang um drei Monate steigen – bis zur Grenze von 68 Jahren, danach automatisch an die Lebenserwartung gekoppelt. Bis 2029 sollen Pensionen unter der Inflation erhöht werden. Alle Förderungen sollen zunächst gestrichen und dann nur jene wiedereingesetzt werden, die „nachweislich einen Mehrwert bringen.“

Den Druck begründet die Agenda Austria laut oe24 mit einer simplen Rechnung: „So leicht wie heute wird sich in Österreich womöglich nie wieder ein Budget sanieren lassen.“ Ab Mitte der 2030er-Jahre würden die Zinsen schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung – ohne Konsolidierung jetzt würden die Staatsschulden selbst bei ausgeglichenem Haushalt weiter wachsen.

Credits: APA

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