AfD zur stärksten Kraft bei Arbeitern — SPD verliert ihre angestammte Wählerbasis

AfD zur stärksten Kraft bei Arbeitern — SPD verliert ihre angestammte Wählerbasis

Zwei Landtagswahlen im März 2026, zwei klare Botschaften: Die AfD legt im Westen Deutschlands massiv zu — und wer die Zahlen nach Berufsgruppen aufschlüsselt, findet dort, wo die SPD einst ihre Stammwähler hatte, heute vielfach die AfD.

Die Wahlergebnisse im Überblick

In Baden-Württemberg holte die AfD laut dem amtlichen Ergebnis vom 8. März 18,8 Prozent der Stimmen — ihr damaliges bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in einem westdeutschen Bundesland. Zwei Wochen später legte die Partei in Rheinland-Pfalz noch einmal nach: Mit 19,5 Prozent, wie der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz in seiner Wahlnachtanalyse festhält, erzielte sie dort ihr bisher bestes Ergebnis in einem westdeutschen Flächenland überhaupt — und verdoppelte ihr Ergebnis gegenüber der letzten Wahl 2021. Die SPD hingegen fuhr in Rheinland-Pfalz mit 25,9 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis im Land ein und verlor nach 35 Jahren die Regierung.

Wo die AfD jetzt die SPD überholt

Besonders aufschlussreich sind die Zahlen bei den Wahlgruppen. In Baden-Württemberg wählten laut der Amadeu Antonio Stiftung unter Berufung auf infratest dimap rund 37 Prozent der Arbeiter die AfD — der höchste Wert dieser Berufsgruppe unter allen Parteien. Die Partei erzielt dabei, wie die Stiftung festhält, überdurchschnittlichen Zuspruch in Städten mit vielen Industriearbeitsplätzen. Wie zdfheute.de unter Berufung auf Wahlanalysen berichtet, wäre in Rheinland-Pfalz allein unter den 18- bis 44-Jährigen die AfD stärkste Kraft geworden.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hält in ihrer Wahlanalyse zu Rheinland-Pfalz fest, dass sozioökonomische Faktoren eine entscheidende Rolle spielten: In Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit und hohen Sozialhilfequoten erzielte die AfD überdurchschnittliche Ergebnisse — genau jene Strukturen, in denen die SPD traditionell ihre Kernklientel hatte.

Politikwissenschaftler: SPD erreicht ihre Klientel nicht mehr

Politikwissenschaftler Benjamin Höhne nannte laut zdfheute.de den demografischen Wandel als einen wichtigen Faktor für den Erfolg der AfD: Die SPD erreiche ihre Klientel schlicht nicht mehr. Der abgewählte rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer fragte sich nach der Niederlage öffentlich, ob die SPD noch als Partner der Menschen wahrgenommen werde.

SPD-Vorsitzende Bärbel Bas erklärte nach der Wahl laut zdfheute.de, die Frage nach neuen Köpfen an der Parteispitze sei zwar „offensiv angesprochen“ worden — schloss einen Rücktritt des Vorstands aber ab. Parteichef Lars Klingbeil kündigte an, die SPD müsse sich künftig stärker um Menschen kümmern, „die in Arbeit sind.“

Eine strukturelle Verschiebung, kein kurzfristiger Ausreißer

Die Analyse des Weltwoche-Kommentators Oliver Stock trifft sich mit dem, was amtliche Wahlstatistiken belegen: Die AfD ist nicht mehr primär eine Protestpartei des Ostens, sondern gewinnt auch im Westen strukturell an Boden — besonders in Milieus, die sich ökonomisch abgehängt fühlen. Ob das eine dauerhafte Verschiebung ist oder eine Delle, die sich durch wirtschaftliche Entspannung korrigieren lässt, bleibt offen. Im Herbst 2026 stehen mit Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin drei weitere Landtagswahlen an — und mindestens in zwei davon könnte die AfD laut aktuellen Umfragen stärkste Kraft werden.


Quellen:

  • weltwoche.de (Oliver Stock): Warum die AfD die neue Arbeiterpartei ist — und die SPD nur noch zuschaut
  • Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Wahlnachtanalyse Landtagswahl 2026
  • zdfheute.de: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Ergebnisse und Reaktionen
  • zdfheute.de: Wahl in Baden-Württemberg auf einen Blick
  • Konrad-Adenauer-Stiftung: Wahlanalyse Landtagswahl Rheinland-Pfalz 22. März 2026
  • handelsblatt.com: Landtagswahlen 2026: Aktuelle Ergebnisse und Umfragewerte
  • landtagswahl-bw.de: Ergebnisse zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg
  • Amadeu Antonio Stiftung: Verdoppelt — und trotzdem kein Durchbruch: Das AfD-Ergebnis in Baden-Württemberg

Credits: APA

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