Die Wiener Ärztekammer hat den „Gesundheitsinfrastrukturreport 2025“ präsentiert – und die Ergebnisse sind erschreckend. Gerade einmal fünf Prozent der befragten 1.230 Ärztinnen und Ärzte sind mit der Gesundheitsinfrastruktur in Wien „sehr zufrieden“. Vor sieben Jahren waren es noch 17 Prozent. Die größten Probleme: lange Wartezeiten, überfüllte Spitalsambulanzen und eine zunehmende Abwanderung von Ärzten. Wie die Ärztekammer betont, sei das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem massiv gefährdet.
Bevölkerung wächst, Ärztezahl sinkt
Ein besonders alarmierender Punkt: Während die Wiener Bevölkerung seit 2010 um 20 Prozent auf über zwei Millionen Menschen gewachsen ist, sank die Zahl der Kassenärzte um 11,75 Prozent. Laut Report-Autor David Ungar-Klein ist dies ein klares Zeichen für die Überlastung des Systems. Auch in den Spitälern zeigt sich ein düsteres Bild: Zwischen 2020 und 2025 nahm die Zahl der Betten in öffentlichen Krankenhäusern um 6,4 Prozent ab – und das bei einer gleichzeitig wachsenden Bevölkerung.
„Es geht sich nicht mehr aus“
Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident der Ärztekammer, kritisiert die fehlende Strategie der Gesundheitspolitik scharf: „Es gibt niemanden, der die Patienten übernimmt.“ Der Streit um die Finanzierung werde auf dem Rücken der Patienten ausgetragen. Auch Naghme Kamaleyan-Schmied, ebenfalls Vizepräsidentin, fordert dringend bessere Rahmenbedingungen für Ärzte und eine faire Honorierung. „Sowohl Patienten als auch Ärzte flüchten aus diesem System, weil es nicht mehr funktioniert“, so Kamaleyan-Schmied.
Streik als letzte Option?
Die Ärztekammer zeigt sich gesprächsbereit, doch ein Streik wird nicht ausgeschlossen. Kamaleyan-Schmied betont, dass ein Inflationsausgleich das Mindeste sei, was die Ärzte fordern. Präsident Johannes Steinhart fordert zudem, die Ärzte in die strategische Planung des Gesundheitssystems einzubinden. Die Bundesregierung müsse endlich mehr Geld in die Hand nehmen, um das System zu retten.
Credits: APA
Quelle: oe24
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