Ab 7. Juli Pflicht: Jeder neue EU-Wagen kommt mit Alkohol-Wegfahrsperre – aber nicht so, wie viele denken

Ab 7. Juli Pflicht: Jeder neue EU-Wagen kommt mit Alkohol-Wegfahrsperre – aber nicht so, wie viele denken

Wer ab Sommer einen Neuwagen kauft, bekommt etwas eingebaut, das er nie sehen und hoffentlich nie brauchen wird. Und der wichtigste Satz dazu lautet: Nein, man muss nicht vor jeder Fahrt ins Röhrchen blasen.

Was ab 7. Juli Pflicht wird

Wie pcgameshardware.de und boerse-express.com unter Berufung auf das EU-Amtsblatt berichteten, tritt am 7. Juli 2026 die dritte und letzte Stufe der EU-Verordnung 2019/2144 – auch bekannt als General Safety Regulation II – in Kraft. Ab diesem Stichtag muss jedes neu in der EU zugelassene Fahrzeug eine standardisierte Schnittstelle nach der europäischen Norm EN 50436 eingebaut haben. Diese Schnittstelle ermöglicht den späteren Anschluss eines sogenannten Alcolocks – einer Alkohol-Wegfahrsperre – ohne aufwendige technische Umbauten.

Was ausdrücklich nicht Pflicht ist

Wie motor1.com unter Berufung auf das Österreichische Verkehrsministerium und die EU-Verordnung präzisierte, schreibt die Pflicht ausdrücklich nur die technische Vorbereitung vor – nicht das eigentliche Messgerät. Wer ab Juli einen Neuwagen kauft, muss also nicht vor jedem Start in ein Gerät blasen. Das Alcolock-Gerät selbst wird in der Regel nur auf richterliche oder behördliche Anordnung verbaut – etwa bei verurteilten Alkohol-Wiederholungstätern oder als Auflagen im Transportwesen.

Wie das System im aktiven Betrieb funktioniert

Wie oe24 unter Berufung auf Herstellerangaben erklärte, ähnelt ein aktiver Alcolock den klassischen Polizei-Atemtestgeräten: Der Fahrer bläst vor dem Motorstart in das Gerät, überschreitet der Messwert den gesetzlichen Grenzwert, blockiert die Elektronik die Zündung. Alle zertifizierten Geräte müssen laut EU-Norm EN 50436 manipulationssicher sein. Wie pcwelt.de berichtete, ist ein Sicherheitsrisiko jedoch bekannt: In einem dokumentierten Fall gelang es Hackern, ein Herstellersystem so zu manipulieren, dass alle Atemtests pauschal gesperrt wurden und Fahrer tagelang ihre Autos nicht starten konnten.

Vision Zero: 5.000 Alkoholtote pro Jahr in der EU

Wie ad-hoc-news.de und boerse-express.com berichteten, ist die Maßnahme Teil der „Vision Zero“-Strategie der EU. Rund ein Viertel aller tödlichen Unfälle auf europäischen Straßen gehen auf Alkohol zurück – 2023 starben rund 5.000 Menschen bei alkoholbedingten Unfällen. Ziel ist eine Halbierung der Verkehrstoten bis 2030 und eine vollständige Eliminierung bis 2050. Schätzungen zufolge könnte ein breiterer Einsatz von Alcolocks die Zahl tödlicher Alkoholunfälle um bis zu 65 Prozent senken.

Österreich: 26.000 Führerscheinverluste pro Jahr

Wie oe24 berichtete, verlieren in Österreich jährlich rund 26.000 Menschen ihren Führerschein wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss. Ein österreichisches Pilotprogramm zwischen 2017 und 2022 zeigte laut oe24 positive Ergebnisse – 655 Männer und 98 Frauen ließen damals freiwillig einen Alcolock einbauen, um einen drohenden Führerscheinentzug abzuwenden. Trotz positiver Rückmeldungen wurde das Programm nicht verlängert.

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