70 Jahre FPÖ: Vom Sammelbecken der NS-Belasteten zur stärksten Partei Österreichs

70 Jahre FPÖ: Vom Sammelbecken der NS-Belasteten zur stärksten Partei Österreichs

Am 7. April 1956 wurde die FPÖ in einem Wiener Hotel gegründet – von Männern mit brauner Vergangenheit. Sieben Jahrzehnte später ist die Partei stärker denn je. Eine Geschichte aus Aufstiegen, Skandalen und immer neuer Auferstehung.

Gründung mit braunem Schatten

Der Startschuss fiel im Wiener Hotel „Zum Weißen Hahn“ in der Josefstadt. Wie news.at berichtet, entstand die FPÖ am 7. April 1956 aus dem Zusammenschluss des Verbandes der Unabhängigen (VdU) und der Freiheitspartei – beides Sammelbecken für ehemalige Nationalsozialisten, die nach 1945 politisch heimatlos waren. Der erste Bundesparteiobmann, Anton Reinthaller, war kein unbeschriebenes Blatt: Er war 1938 kurz Landwirtschaftsminister im Kabinett Seyß-Inquart und danach NS-Unterstaatssekretär in Berlin gewesen, wie das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt dokumentiert. Sein Nachfolger Friedrich Peter hatte SS-Vergangenheit.

Wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) festhält, war die FPÖ in ihrer Gründungsphase „eine Partei von ehemaligen Nationalsozialisten für ehemalige Nationalsozialisten.“ Die ersten Jahrzehnte verliefen politisch unspektakulär. Peter wandelte die Partei schrittweise zu einer europafreundlichen Liberalenpartei um, was 1983 sogar eine Koalition mit der SPÖ unter Bruno Kreisky ermöglichte.

1986: Haider putschte und alles änderte sich

Der entscheidende Wendepunkt kam beim Parteitag in Innsbruck im September 1986. Wie die Wiener Zeitung schreibt, putschte der damals 36-jährige Jörg Haider gegen den liberalen Norbert Steger und übernahm die Parteiführung. SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky kündigte die Koalition prompt auf.

Haider baute die FPÖ in eine schlagkräftige Protestbewegung um – gegen das vermeintliche Machtkartell der „Altparteien“, gegen Ausländer, gegen das Establishment. Den Höhepunkt erreichte er 1999, als die FPÖ mit 26,9 Prozent erstmals auf Platz zwei der Nationalratswahl landete und in eine Koalition mit der ÖVP unter Wolfgang Schüssel eintrat – was laut profil.at in Europa für Sanktionen und Proteste sorgte. 2002 aber kollabierte die Regierung beim berühmten Sonderparteitag in Knittelfeld: Die FPÖ stürzte auf 10 Prozent ab. 2005 spaltete Haider die Partei endgültig und gründete das BZÖ. Am 11. Oktober 2008 starb er bei einem Autounfall in Köttmannsdorf.

Strache: Vom Rechtsaußen zum Vizekanzler – und zurück

Nach Haiders Abgang übernahm Heinz-Christian Strache. Am 23. April 2005 wurde er laut vol.at mit 90,1 Prozent zum Parteichef gewählt. Zu seinen Generalsekretären ernannte er Herbert Kickl und Harald Vilimsky. Strache baute die FPÖ geduldig wieder auf – mit harter Migrations- und Islamkritik, aber auch mit symbolischen Gesten wie dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

2017 gelang ihm der Einzug in die Regierung als Vizekanzler unter Sebastian Kurz (ÖVP). Das Ende kam durch ein heimlich auf Ibiza aufgenommenes Video aus dem Jahr 2017, das erst im Mai 2019 veröffentlicht wurde. Wie tt.com berichtet, zeigt es Strache und Johann Gudenus beim Gespräch mit einem weiblichen Lockvogel – mit freizügigen Äußerungen über Korruptionsfantasien. Strache trat als Parteichef und Vizekanzler zurück, im Dezember 2019 wurde er aus der FPÖ ausgeschlossen.

Kickl: Der Mann im Schatten übernimmt die Bühne

Herbert Kickl hatte jahrzehntelang als Strippenzieher im Hintergrund gearbeitet – als Texter der berüchtigten Slogans wie „Daham statt Islam“, als Stratege, der Strache zum „politischen Pop-Star“ formte, wie die NZZ schreibt. Haider hielt ihn bewusst von offiziellen Ämtern fern: zu aggressiv für die erste Reihe. Nach der Ibiza-Affäre übernahm zunächst Norbert Hofer die Parteiführung, doch 2021 setzte sich Kickl durch.

2024 führte er die FPÖ bei der Nationalratswahl auf Platz eins – mit 28,8 Prozent. Ein historischer Erfolg. Doch wie profil.at festhält, erwies sich Kickl in den Koalitionsverhandlungen als „inferiorer Verhandlungstaktiker“ und musste den Regierungsbildungsauftrag zurücklegen. Heute steht die FPÖ laut politpro.eu in Umfragen bei über 36 Prozent – stärker denn je.

Sieben Jahrzehnte, ein Muster

Was bleibt nach 70 Jahren? Eine Partei, die aus dem Dritten Lager des Kaiserreichs und dem Milieu der NS-Belasteten entstand, sich mehrfach neu erfand, in Regierungen scheiterte, durch Skandale stürzte – und jedes Mal gestärkt aus der Opposition zurückkehrte. Im Juni 2026 feiert die FPÖ ihr Jubiläum mit einem Festakt in der Wiener Hofburg. Der Gastgeber wird Herbert Kickl sein.

Credits: APA

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