Fast halbiert: In den ersten drei Quartalen des Jahres wurden in Österreich 7.397 Asylanträge gestellt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 13.500. Wenn bis Jahresende nichts Unerwartetes passiert, dürfte 2026 das Jahr mit den wenigsten Asylanträgen seit Jahrzehnten werden. Ein genauer Blick zeigt allerdings: Nur ein kleiner Teil der Antragsteller kommt tatsächlich neu ins Land.
Minus 45 Prozent
Der Rückgang beträgt laut der aktuellen Asylstatistik, über die oe24 berichtet, rund 45 Prozent. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2022 wurden in Österreich mehr als 112.000 Asylanträge gestellt. Bei den Antragstellern überwiegen leicht die Männer mit 58 Prozent. Auffällig ist eine andere Zahl: Gut die Hälfte, 51 Prozent, ist minderjährig.
Viele Kinder, wenige Neuankömmlinge
Das hat einen einfachen Grund. Ein großer Teil der Anträge wird für Kinder gestellt, die in Österreich geboren wurden und deren Eltern bereits hier leben. Die Zahl der sogenannten originären Anträge, also von Menschen, die tatsächlich neu nach Österreich kommen, liegt laut Statistik bei knapp 2.800. Der Rest betrifft Personen, die sich bereits im Land befanden. Dazu dürfte auch der seit dem Vorjahr geltende Stopp beim Familiennachzug beitragen, mit dem die Regierung den Zuzug von Angehörigen bereits anerkannter Flüchtlinge vorübergehend ausgesetzt hat.
Syrer vorne, bei Neuankünften Afghanen
Bei den Herkunftsländern liegen Syrer mit 1.941 Anträgen an der Spitze, gefolgt von Afghanen mit 1.682. Bei den originären Anträgen ändert sich das Bild: Hier führen Afghanen mit 581 deutlich. Nur 256 Syrer kamen neu ins Land, kaum mehr als Türken mit 238.
Wer Schutz bekommt
Bis September wurde in 4.739 Fällen Asyl gewährt, in 3.778 Fällen subsidiärer Schutz, also ein vorübergehender Schutz für Menschen, die keinen Asylgrund haben, aber in ihrer Heimat in Gefahr wären. 1.495 Menschen erhielten einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen. Diese Entscheidungen betreffen auch Anträge aus früheren Jahren. Afghanen hatten mit einer Anerkennungsquote von gut zwei Dritteln besonders gute Chancen auf Asyl. Bei Syrern wurde nur etwa jedem Dritten der Asylstatus zuerkannt, dafür stellen sie mit Abstand die größte Gruppe bei den subsidiär Schutzberechtigten.
Rückenwind für die Regierung
Für die Regierung kommen die Zahlen gelegen. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat sich zum Ziel gesetzt, illegale Migration “gegen Null” zu drängen, und arbeitet gemeinsam mit vier anderen EU-Staaten an Rückkehrzentren außerhalb der EU, möglicherweise in Ruanda. Gleichzeitig zeigt die Statistik, dass ein Teil der Debatte über Asyl inzwischen weniger mit neuen Ankünften zu tun hat als mit Menschen, die bereits im Land sind – und mit deren Kindern.
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