550 Menschen in 48 Stunden: Kreta wird zum neuen Brennpunkt der Mittelmeer-Migration

550 Menschen in 48 Stunden: Kreta wird zum neuen Brennpunkt der Mittelmeer-Migration

Innerhalb von zwei Tagen hat die griechische Küstenwache fast 550 Menschen aus Seenot gerettet. Die Route von Libyen nach Kreta ist nicht neu — aber sie wird gefährlicher und frequentierter.

Was am 8. und 9. Juni passierte

Wie die griechische Küstenwache in einer offiziellen Pressemitteilung bestätigt und infomigrants.net berichtet, retteten griechische Behörden und Frontex innerhalb von 48 Stunden südlich der Inseln Kreta und Gavdos knapp 550 Menschen bei mehreren Einsätzen. Den größten Einzeleinsatz gab es am Dienstag (9. Juni) südlich von Kreta: 192 Menschen — darunter 42 Minderjährige — wurden aus einem Fischerboot gerettet und an Land gebracht. Insgesamt liefen an diesen beiden Tagen vier Boote auf, wie infomigrants.net unter Berufung auf die Küstenwache berichtet.

Wie Der Standard berichtet, hatten die geretteten Menschen für die Überfahrt jeweils rund 3.000 US-Dollar an Schlepper bezahlt. Die meisten gaben laut griechischen Behörden an, von der libyschen Hafenstadt Tobruk aufgebrochen zu sein.

Eine Route im Wachstum

Die Libyen-Kreta-Route ist kein neues Phänomen — aber sie wächst rasant. Wie infomigrants.net in einer Hintergrundanalyse festhält, hat Kreta Lesvos als primären Einreisepunkt nach Griechenland weitgehend abgelöst. Der Grund liegt in intensivierten Patrouillen im östlichen Ägäis an der türkisch-griechischen Route, die Schmugglernetze auf die längere und gefährlichere Mittelmeerroute von Libyen ausweichen lassen.

Griechenlands Migrationsminister Thanos Plevris schätzte laut infomigrants.net, dass derzeit rund 550.000 Menschen in Libyen auf eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Europa warten — und koordiniert sich deshalb mit Frontex und libyschen Behörden, um Abfahrten zu blockieren.

Griechenland reagiert: Rückkehrzentren beschlossen

Griechenland baut seinen rechtlichen Rahmen für den Umgang mit der steigenden Zahl an Ankünften aus. Wie infomigrants.net unter Berufung auf ein neues griechisches Gesetz berichtet, hat das Parlament in Athen kürzlich ein Gesetz unterzeichnet, das den Aufbau von sogenannten „Return Hubs“ — Rückkehrzentren in Drittstaaten — ermöglicht. Das entspricht dem Ansatz, den Österreich und Deutschland auf EU-Ebene ebenfalls vorantreiben.

Gleichzeitig sieht der ab Mitte Juni in Kraft tretende neue EU-Asyl- und Migrationspakt vor, dass Griechenland, Italien, Spanien und Zypern als EU-Außengrenzstaaten zusätzliche Unterstützung durch andere EU-Mitgliedsstaaten erhalten. Ob das die Situation vor Ort spürbar entlastet, bleibt offen.

Credits: DAs Foto ist ein Symbolbild

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