Im ersten Quartal 2026 hat Österreich mehr Menschen außer Landes gebracht als neue Asylanträge gestellt wurden. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) feiert das als Erfolg der konsequenten Asylpolitik – Kritiker sehen im Vergleich jedoch einen methodischen Schwachpunkt.
Die Zahlen: 3.575 Außerlandesbringungen, 1.074 Erstanträge
Wie das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in seiner Detailstatistik für das erste Quartal 2026 ausweist, wurden von Jänner bis März insgesamt 3.575 Personen außer Landes gebracht. Wie die OTS-Aussendung des Innenministeriums festhält, erfolgten 1.882 davon – also 53 Prozent – zwangsweise. Die restlichen 1.693 Personen reisten eigenständig aus, nachdem sie zur Ausreise aufgefordert worden waren. Zusätzlich wurden laut BFA-Statistik 224 Dublin-Überstellungen durchgeführt, bei denen Personen in jenen EU-Staat rückgeführt wurden, in dem sie erstmals einen Asylantrag gestellt hatten. Dem stehen laut Innenministerium 1.074 Asylerstanträge gegenüber – Anträge von Personen, die erstmals nach Österreich kamen.
Fast 46 Prozent der zwangsweise Abgeschobenen waren in Österreich laut Innenministerium zuvor strafrechtlich verurteilt worden. Unter den Ausreisen war auch Syrien prominent vertreten: Wie meinbezirk.at berichtet, verließen 279 Syrer im ersten Quartal Österreich – seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 haben insgesamt 1.117 Syrer das Land eigenständig verlassen, unterstützt durch ein staatliches Rückkehrprogramm.
Karner: „Maßnahmen wirken“
Innenminister Karner zieht laut OTS-Aussendung eine klare Bilanz: „Pro Tag müssen 40 illegal Aufhältige Österreich verlassen. Das bedeutet mehr Abschiebungen als neue Asylanträge im ersten Quartal.“ Die Zahlen bestätigten, dass das Bündel an Maßnahmen wirke. Auch beim Familiennachzug, der bis Mitte 2026 ausgesetzt ist, zeige sich laut Innenministerium eine massive Wirkung: Im ersten Quartal 2025 reisten noch 401 Personen über den Familiennachzug ein, im ersten Quartal 2026 waren es laut BFA-Statistik nur noch 25.
Faktencheck: Der Vergleich hinkt
Die Jubelmeldung hat allerdings einen methodischen Haken, den moment.at in einem ausführlichen Faktencheck herausarbeitet. Der Vergleich von Abschiebungen mit Asylanträgen vergleiche, so das Fazit, Äpfel mit Birnen: Abgeschobene Personen seien nicht deckungsgleich mit abgelehnten Asylwerbern. In Österreich gilt jede Person ohne österreichische Staatsbürgerschaft als „Fremde“ – und ist damit potenziell von fremdenrechtlichen Maßnahmen betroffen. Die tatsächlich abgeschobenen Personen kämen laut moment.at zu einem großen Teil aus EU-Staaten und hätten mit Asylverfahren nichts zu tun. Außerdem seien die Asylantragszahlen schlicht sehr niedrig: Wie moment.at festhält, gab es seit 2012 nur in fünf Monaten noch weniger Anträge als im Jänner 2026 – drei davon während des Corona-Lockdowns.
Credits: APA
Neueste Kommentare