30 Prozent der Flüchtlinge in Österreich: Deutsch? Fehlanzeige nach über einem Jahr

30 Prozent der Flüchtlinge in Österreich: Deutsch? Fehlanzeige nach über einem Jahr

Mehr als 18 Monate nach ihrer Ankunft stehen viele Flüchtlinge in Österreich immer noch vor einer riesigen Sprachbarriere. Laut einer aktuellen Studie des Arbeitsmarktservice (AMS) können rund 30 Prozent der Geflüchteten nach eineinhalb Jahren hierzulande überhaupt kein Deutsch sprechen. Das erschwert nicht nur den Alltag, sondern auch die Integration auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft erheblich.

Die Sprache bleibt das größte Hindernis

Deutschkenntnisse gelten als Schlüssel zur Integration, doch die Realität sieht oft anders aus. Während manche Flüchtlinge schnell Fortschritte machen, bleibt ein erheblicher Teil komplett ohne Deutschkenntnisse – trotz zahlreicher Sprachkurse und Förderprogramme. Wie das AMS berichtet, gibt es große Unterschiede je nach Herkunftsland, Bildungsstand und Zugang zu Bildungseinrichtungen. Besonders schwierig gestaltet sich der Einstieg für jene, die weder Lesen noch Schreiben in ihrer Muttersprache beherrschen.

Warum stockt der Spracherwerb?

Die Gründe für die fehlenden Sprachkenntnisse sind vielfältig. Viele der Betroffenen kommen aus Kriegs- und Krisengebieten, haben traumatische Erlebnisse hinter sich oder sind älter, was den Lernprozess erschwert. Zudem ist die Teilnahme an Deutschkursen oft freiwillig oder nicht verpflichtend genug, um schnelle Fortschritte zu garantieren. Auch die Betreuung und Begleitung bei der Integration lässt vielerorts zu wünschen übrig.

Ab 2026 will Österreich die Integration verschärfen: Es sind verpflichtende Deutschkurse geplant, die Flüchtlinge verpflichtend absolvieren müssen, um weiterhin Sozialleistungen zu erhalten. Doch ob das den tatsächlichen Spracherwerb fördert, wird sich zeigen (siehe Bericht vom Österreichischen Integrationsfonds).

Folgen für die Integration und den Arbeitsmarkt

Wer kein Deutsch spricht, hat es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Ohne Sprache keine Jobs, ohne Jobs keine Integration – ein Teufelskreis, den zahlreiche Flüchtlinge aus eigener Erfahrung kennen. Experten warnen, dass viele Flüchtlinge daher oft nur geringfügige oder schlecht bezahlte Hilfsarbeiten finden, was langfristig ihre Chancen auf soziale Teilhabe schmälert.

Das zeigen auch Zahlen aus Wien, wo besonders viele Flüchtlinge leben: Fast ein Drittel hat selbst nach langer Zeit keine Deutschkenntnisse, was auch die soziale Isolation begünstigt. Die Lebenszufriedenheit leidet oft darunter, wie Studien zeigen.

Wie Österreich reagiert

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) bemüht sich um bessere Förderungen. Neben Sprachkursen gibt es Beratungsangebote und ehrenamtliche Programme wie „Treffpunkt Deutsch“, die Flüchtlinge unterstützen sollen. Doch der Erfolg ist bisher überschaubar.

Die Politik diskutiert schärfere Regeln und stärkere Anreize für Deutschlernen, etwa durch Kürzungen bei Sozialleistungen, wenn keine Fortschritte gemacht werden. Die Gesellschaft ist gespalten: Während viele Österreicher verbindliche Integration und Sprache als Voraussetzung sehen, warnen Menschenrechtsorganisationen vor zu viel Druck und fordern mehr individuelle Unterstützung.

Credits: APA

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