Das österreichische Bundesheer steht unter Druck — und das zeigt der neue Jahresbericht des Kontrollgremiums schwarz auf weiß. Am Mittwoch präsentierte die parlamentarische Bundesheerkommission ihre Bilanz für das Jahr 2025: mehr Beschwerden als im Vorjahr, ein erhebliches Personalproblem und Kasernen, die seit Jahrzehnten vernachlässigt wurden.
233 Beschwerden — im Kontext
Insgesamt 3.120 Anfragen und Rechtsauskünfte bearbeitete die Kommission im Jahr 2025, wie oe24.at und vienna.at unter Berufung auf den Bericht melden. In 233 Fällen wurde ein formelles Beschwerdeverfahren eingeleitet — mehr als im Vorjahr (195 Fälle), aber dennoch der drittniedrigste Wert seit 2018. Das heißt: Im langjährigen Vergleich bleibt das Niveau niedrig, viele Anliegen lassen sich durch Beratung und Rechtsauskünfte lösen, bevor es zu einem formellen Verfahren kommt.
Wer beschwert sich? Laut dem Bericht stammten 34 Prozent der Beschwerden von Chargen, 23 Prozent von Unteroffizieren und nur 13 Prozent von Grundwehrdienern. Die Inhalte kreisten vor allem um Dienstbetrieb und Ausbildung, Personalangelegenheiten und Infrastruktur — konkret: unangemessene Ausdrucksweisen, Schikanen, diskriminierendes Verhalten sowie Mängel bei Unterbringung und Verpflegung.
Das eigentliche Problem: Zu wenig Personal
Was den Bericht in der aktuellen Sicherheitslage besonders brisant macht, ist der Befund zur Personalsituation. Wie die Bundesheerkommission festhält, haben sich die Zahlen seit 2020 in nahezu allen militärischen Bereichen rückläufig entwickelt. Die Zahl der Berufsoffiziere schrumpfte um 8,8 Prozent — aktuell sind nur rund 72 Prozent der Offiziersstellen besetzt. Diese „strukturelle Unterbedeckung“, wie die Kommission laut nachrichten.at warnt, führe zu Mehrbelastung und beeinträchtige mittelfristig die Führungs- und Durchhaltefähigkeit.
Ähnlich bei den Berufsunteroffizieren: Minus 3,8 Prozent seit 2020, derzeit sind nur rund 82 Prozent der Funktionen besetzt. Um die Lage zu stabilisieren, wären laut Bericht jährlich rund 650 neue Berufsunteroffiziere nötig — verbunden mit einer deutlichen Steigerung der Ausbildungskapazitäten.
Einen kleinen Lichtblick gibt es: Die Zahl der Zivilbediensteten stieg seit 2020 um 4,2 Prozent, der Anteil von Soldatinnen am Gesamtpersonal liegt mittlerweile bei sieben Prozent.
Kasernen mit „erheblichem Nachholbedarf“
Neben dem Personal mahnt der Bericht auch bei der Infrastruktur: Jahrzehntelange Versäumnisse haben bei der Kaserneninfrastruktur einen „erheblichen Nachholbedarf“ hinterlassen — eine Formulierung, die im nüchternen Behördendeutsch mehr Gewicht hat als sie klingt.
Tanner lobt, Kommission mahnt
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) dankte der Bundesheerkommission für ihre Arbeit und wertete die niedrige Beschwerdezahl bei Grundwehrdienern als positives Signal: Die Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen würden „greifen und Vertrauen schaffen“, so Tanner laut oe24.at. Die Kommission selbst setzt andere Akzente: Beim Personal, bei der Ausbildungskapazität und bei den Kasernen ist noch viel zu tun.
Die parlamentarische Bundesheerkommission wurde 1955 als demokratisches Kontrollorgan des Nationalrats eingerichtet, eine Funktionsperiode dauert sechs Jahre. Die aktuelle endet mit 31. Dezember 2026. Das Präsidium besteht aus Reinhard Bösch (FPÖ), Friedrich Ofenauer (ÖVP) und Robert Laimer (SPÖ).
Quellen:
- oe24.at: Beschwerde-Bilanz bei Bundesheerkommission
- vienna.at: Bundesheerkommission: 233 Beschwerden im Jahr 2025
- sn.at (Salzburger Nachrichten): Bundesheerkommission verzeichnete 2025 233 Beschwerden
- nachrichten.at: Bundesheer: Im Vorjahr gab es 233 Beschwerden
- Parlament Österreich (parlament.gv.at): Bundesheerkommission — Aufgaben und Struktur
- Parlament Österreich (parlament.gv.at): PBHK präsentierte Jahresbericht 2024 am 26. März 2025
Credits: APA
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