In Österreich häufen sich die Angriffe auf Bankomaten: Bereits 19 Sprengungen in diesem Jahr – das sind mehr als im gesamten Vorjahr (14 Fälle) und nur knapp unter dem bisherigen Höchststand von 21 Angriffen im Jahr 2018. Die Detonationen könnten auch das Leben von zufällig vorbeikommenden Menschen gefährden.
Hinter den Taten vermutet die Polizei organisierte, international vernetzte Banden, die professionell und arbeitsteilig vorgehen. Besonders häufig im Visier der Ermittler: Tätergruppen aus den Niederlanden, wo es laut Bundeskriminalamt seit Jahren eine „sehr große Sprengerszene“ gibt. Aufgrund verstärkter Sicherheitsmaßnahmen in ihrer Heimat weichen diese Banden nun offenbar vermehrt auf den deutschsprachigen Raum aus – darunter auch Österreich. Auch Gruppierungen aus Rumänien stehen im Fokus der Behörden.
So wurden nach der jüngsten Sprengung in Gmunden am 16. Mai mehrere Verdächtige festgenommen, die mutmaßlich einer niederländischen Bande angehören. Laut dem Leiter der Sonderkommission, Dieter Csefan, agieren die Täter hochprofessionell: Sie teilen sich in Logistiker, die Fluchtwege vorbereiten, und ausführende Täter, die maskiert und mit Klebeband gegen DNA-Spuren gesichert arbeiten.
Immer häufiger: Eskalation der Gewalt
Neben den massiven Sachschäden sorgt die zunehmende Gewaltbereitschaft für zusätzliche Besorgnis. In Gmunden etwa eskalierte der Fall: Nachdem der Fluchtwagen der Täter bei der Sprengung beschädigt wurde, zwangen sie einen Maturanten unter Messerbedrohung zur Herausgabe seines Autoschlüssels. Später wurde das gestohlene Fahrzeug ausgebrannt in einem Wald gefunden.
Am Tag darauf versuchten drei der Täter mit einem Mietwagen zu fliehen, wobei sie sich eine riskante Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferten – mit Geschwindigkeiten bis zu 260 km/h. Die Flucht endete in Bayern in einem Kreisverkehr, wo sie bei einem Unfall zum Teil schwer verletzt wurden.
Die Angriffe verteilen sich auf das gesamte Bundesgebiet. Besonders betroffen ist Wien, wo in diesem Jahr bereits fünf Bankomaten gesprengt wurden. Bei einer Flucht wurde dabei ein Täter von der Polizei angeschossen.
Weitere Fälle gab es:
- Niederösterreich: Korneuburg, Gänserndorf
- Oberösterreich: Gmunden, Wels (2), Linz, Pasching
- Burgenland: Neusiedl am See
- Tirol: Sillian
- Kärnten: Arnoldstein
- Salzburg: Stadt Salzburg
- Steiermark: Graz
Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft
Als Reaktion plant Österreich eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen rund um Bankfilialen. Neben einer erhöhten Polizeipräsenz sind auch technische Neuerungen geplant: etwa Vernebelungsanlagen und modernisierte Färbesysteme, die Bargeld bei Beschädigung des Automaten unbrauchbar machen.
Die Wirtschaftskammer prüft zudem den Einsatz von KI-gestützter Überwachungstechnik, die verdächtige Bewegungen analysiert und automatisch Alarme oder Nebelauslösung auslösen kann.
Die Polizei warnt nicht nur vor den finanziellen Schäden, sondern auch vor der Gefährdung unbeteiligter Personen. „Wenn Sprengladungen Gebäude beschädigen oder Passanten in der Nähe sind, kann es zu Todesfällen kommen“, warnte Bundeskriminaldirektor Andreas Holzer.
Auch Bankenvertreter zeigen sich besorgt. In vielen betroffenen Gebieten leben Menschen in direkter Nähe zu Bankfilialen. Der Schaden sei oft höher als die Beute – und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leide zunehmend. „Wir müssen Bankfilialen für Kriminelle unattraktiver machen“, forderte Erste-Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller.
Die Polizei arbeitet inzwischen eng mit internationalen Behörden zusammen, um die Täterstrukturen aufzudecken – und die Sprengserie zu stoppen, bevor sie weiter eskaliert.
Credit: APA
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