Während im Nahen Osten die Raketen einschlagen, wächst die Freude im Kreml: Der nun anziehende Ölpreis lässt Russlands Einnahmen steigen – und füllt Wladimir Putins Kriegskasse just in einer Phase, in der der Krieg um die Ukraine weiter hohe Kosten verursacht.
Noch liegt der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bei 74 US-Dollar. Doch Experten warnen vor einem möglichen Preissprung. „Sollte der Iran die Straße von Hormus blockieren, könnten wir sehr schnell die 120-Dollar-Marke überschreiten“, zitiert die BILD Stephen Innes, Analyst beim Vermögensverwalter SPI Asset Management. Die Meerenge gilt als Nadelöhr des globalen Ölhandels: Bis zu ein Drittel des weltweit gehandelten Öls passiert die Wasserstraße zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Russland profitiert direkt – trotz Sanktionen
Ein solcher Preisanstieg wäre vor allem für Russland ein Segen. „Höhere Ölpreise spülen zusätzliche Milliarden in den russischen Staatshaushalt – und damit direkt in die Kriegswirtschaft“, erklärt Samina Sultan, Außenhandelsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), gegenüber BILD. Zwar haben westliche Sanktionen Russlands Energieexporte in Richtung EU stark eingeschränkt. Doch das Land hat neue Absatzmärkte gefunden – allen voran Indien und China, die russisches Öl zu günstigen Preisen abnehmen.
„Die großen Öl- und Gaskonzerne sind in Russland staatlich, das heißt: Jeder Dollar mehr pro Barrel bedeutet auch mehr Geld für den Kreml“, so Sultan. Trotz Embargos bleibe der Energiesektor ein zentraler Finanzierungsarm des russischen Staates.
Grenzen der Profitabilität
Doch nicht alles spricht für eine uneingeschränkte Erholung der russischen Einnahmen. Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert (DIW Berlin) warnt vor voreiligen Schlüssen: „Der steigende Ölpreis spielt Moskau zwar in die Karten – allerdings nur in begrenztem Umfang.“ Denn Preisdeckel, Lieferkettenprobleme und Abhängigkeiten von wenigen Abnehmerstaaten wirkten dämpfend auf das Einnahmenpotenzial.
Putin setzt auch auf politische Gewinne
Neben dem wirtschaftlichen Plus könnte Putin auch politisch von der eskalierenden Lage im Nahen Osten profitieren. „Er inszeniert sich bereits als möglicher Vermittler im Nahostkonflikt“, sagt Sultan. Mitten in der diplomatischen Krise bietet sich der Kremlchef als Gegengewicht zur westlichen Allianz an – und scheint dabei sogar offene Ohren in den USA zu finden.
Tatsächlich äußerte US-Präsident Donald Trump kürzlich, dass Putins Stimme beim G7-Gipfel gefehlt habe. Im Gespräch mit dem Sender ABC erklärte Trump, er könne sich den russischen Präsidenten als Vermittler zwischen Israel und dem Iran vorstellen.
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