Die Krise der deutschen Industrie trifft ein weiteres Traditionsunternehmen mit voller Wucht. Der Thüringer Spezialofenbauer Eliog Industrieofenbau GmbH hat beim Amtsgericht Meiningen Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. 74 Beschäftigte bangen um ihre Jobs – und ein ganzer Industriestandort um seine Zukunft.
1924 gegründet, weltweit führend – und jetzt zahlungsunfähig
Wie aus der offiziellen Unternehmensmitteilung hervorgeht, die das Insolvenzrechtsportal der-indat.de veröffentlicht hat, hat Sanierungsgeschäftsführer Stefan G. Mairiedl, seit April 2026 im Amt, den Insolvenzantrag gestellt – nachdem feststand, dass Eliog „Forderungen und fällige Verbindlichkeiten absehbar weder termingerecht noch vollständig begleichen kann.“ Das Amtsgericht Meiningen folgte dem Antrag und bestellte Dr. Nicolai Fischer von White & Case zum vorläufigen Sachwalter.
Eliog ist dabei kein unbekannter Kleinstbetrieb. Wie harz.news berichtet, gilt das Unternehmen als Weltmarktführer für maßgeschneiderte Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen – zugeschnitten auf anspruchsvollste Anwendungen in der Automobil- und E-Mobilitätsindustrie, Luft- und Raumfahrt, Metallurgie sowie der Glas- und Elektronikindustrie. Mairiedl erklärte laut der-indat.de: „Ziel des Verfahrens ist es, die Substanz des Unternehmens zu erhalten, einen Sanierungsplan voranzutreiben und möglichst mit tatkräftiger Unterstützung eines Investors umzusetzen.“
Über 100 Jahre Geschichte – von Düsseldorf über den Zweiten Weltkrieg in die DDR
Wie t-online.de unter Berufung auf Unternehmensangaben berichtet, wurde Eliog 1924 in Düsseldorf gegründet. Nach schweren Kriegszerstörungen verlegte das Unternehmen die Produktion 1943/44 ins südthüringische Römhild – wo sie bis heute angesiedelt ist. In der DDR firmierte der Betrieb als VEB Elektro-Industrieofen- und Gerätebau. Nach der Wende folgte die Privatisierung, 2011 übernahm die familiengeführte Rupprecht-Gruppe den Betrieb. Seitdem erwirtschaftete Eliog laut der-indat.de zuletzt einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund acht Millionen Euro.
Bürokratie als Mitschuldiger: Genehmigung für Zufahrt verweigert
Besonders bitter ist der Hintergrund der Misere. Wie oe24.at berichtet, hatte die geschäftsführende Gesellschafterin Karlotta Gründobler in einem aufsehenerregenden LinkedIn-Video Tränen gelassen und öffentlich gemacht, was das Unternehmen lähmt: Ein dringend benötigter Neubau musste gestoppt werden, weil die zuständige Behörde schlicht die Genehmigung für eine Zufahrtsstraße verweigerte. In einem F.A.Z.-Interview sagte sie damals: „Hier ist ein Unternehmen, das mit großer Anstrengung versucht, den Weg in die Zukunft zu gehen. Hier hängen Arbeitsplätze und ganze Familien dran. Und dann wird da beschieden: Zufahrt nicht genehmigt.“
Kunden streichen Aufträge – 74 Jobs auf der Kippe
Wie harz.news berichtet, kämpft Eliog mit drastisch rückläufigen Aufträgen, verschobenen Investitionen und wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck. Kunden kürzen Bestellungen, verschieben Projekte oder streichen sie komplett. Wie aus der offiziellen Mitteilung laut der-indat.de hervorgeht, sind die Löhne und Gehälter der 74 Beschäftigten über das staatliche Insolvenzgeld bis einschließlich Juni 2026 gesichert – was danach kommt, ist offen.
Kein Einzelfall: Pleitewelle rollt durch die deutsche Industrie
Das Schicksal von Eliog steht exemplarisch für eine breite Industriekrise. Wie oe24.at berichtet, stehen derzeit in Speyer 1.200 Arbeitsplätze vor dem Aus, in Niedersachsen und Hessen zittern 400 Beschäftigte eines Zulieferers um ihre Jobs, und im Harz machten zuletzt zwei Betriebe an einem einzigen Tag dicht. Der Berliner Kurier hält fest: Eliog reiht sich nahtlos in eine verheerende Pleitewelle ein, die vor allem Autozulieferer und deren Dienstleister trifft.
Credits: APA
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