Die Zahl angezeigter Vergewaltigungen ist seit 2015 um fast zwei Drittel gestiegen. Was die Statistik nicht verrät, ist politisch brisant.
Die Zahlen sind eindeutig
826 angezeigte Vergewaltigungen im Jahr 2015. 1.359 im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von fast zwei Dritteln binnen weniger Jahre – ein trauriger Rekordwert. Wie exxpress auf Basis einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Innenministeriums berichtet, verlief die Entwicklung dabei kontinuierlich: 2019 waren es 948 Fälle, 2021 bereits 1.054, 2023 dann 1.287. Nicht einmal die Corona-Jahre brachten einen nennenswerten Rückgang – im Schnitt werden damit fast vier Vergewaltigungen pro Tag in Österreich angezeigt.
Auch die Zahl der Tatverdächtigen ohne österreichische Staatsbürgerschaft stieg parallel: von 292 im Jahr 2019 auf 480 im Jahr 2024. Darunter befanden sich 2024 laut Innenministerium 54 Asylwerber. Eine bruchstückhafte Aufschlüsselung für 2023 zeigt, dass unter den asylwerbenden Tatverdächtigen Syrer mit 23 und Afghanen mit 11 Fällen die größten Gruppen stellten – wie das Österreichische Parlament in seiner Anfragedokumentation festhält.
Was das Ministerium nicht ausweist
Soweit die harten Fakten. Doch was das Innenministerium nicht ausweist, ist mindestens ebenso bedeutsam. Wie exxpress berichtet, werden weder der Aufenthaltsstatus unterhalb der Kategorie „Asylwerber“ – also etwa Asylberechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte – noch ein möglicher Migrationshintergrund von Tatverdächtigen systematisch erfasst. In parlamentarischen Anfragebeantwortungen des Innenministeriums heißt es dazu schlicht, solche Statistiken würden „nicht geführt“.
Damit bleibt ein relevanter Teil der Täterstruktur statistisch unsichtbar – und eine differenzierte politische Debatte auf Basis vollständiger Daten schlicht nicht möglich.
FPÖ-Abgeordneter: „Man will es nicht bekannt geben“
FPÖ-Nationalratsabgeordneter Christian Lausch, der seit Jahrzehnten als Justizwachebeamter in der Wiener Justizanstalt Josefstadt tätig ist, übt gegenüber exxpress scharfe Kritik. Die Daten seien sehr wohl vorhanden: „Ein Datensatz umfasst immer Name, Geburtsdatum, Paragraph und Nationalität. Das ist Standard.“ Auch die Namen der Eltern würden bei jedem Tatverdächtigen erfasst. Sein Schluss: „Man weiß es sehr wohl – man will es nur nicht bekannt geben.“
Die Folge sei, dass man an den eigentlichen Problemen nicht arbeiten könne. „Man arbeitet hier mit Halbwahrheiten“, so Lausch. Aus seiner Erfahrung im Haftalltag berichtet er zudem, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder in den vergangenen Jahren „extrem gestiegen“ sei. Seine Forderung ist klar: „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf zu wissen, welche Nationalitäten hinter solchen Taten stehen.“
Was die Zahlen bedeuten – und was nicht
Ein wichtiger Hinweis zur journalistischen Einordnung: Angezeigte Fälle sind keine Verurteilungen. Die tatsächliche Zahl rechtskräftiger Verurteilungen wegen Vergewaltigung ist laut österreichischer Verurteilungsstatistik deutlich niedriger als die Anzeigenzahlen vermuten lassen. Zudem erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik ausschließlich die Staatsbürgerschaft – nicht, wie lange jemand in Österreich lebt oder welchen sozialen Hintergrund er hat.
Unbestritten bleibt: Die angezeigten Vergewaltigungen haben sich in einem Jahrzehnt fast verdoppelt, die Zahl ausländischer Tatverdächtiger hat sich im selben Zeitraum ebenfalls deutlich erhöht – und das Innenministerium liefert auf parlamentarische Nachfrage keine vollständige Datenbasis.
Quellen: exxpress.at, Parlamentarische Anfragebeantwortung des Innenministeriums (parlament.gv.at), Bundeskriminalamt / Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 (bundeskriminalamt.at), Statistik Austria – Verurteilungsstatistik (statistik.at)
Credits: APA
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