„Zwischenfall“ statt Attentat: Wie ARD, ZDF und ORF die Trump-Attacke sprachlich kleinredeten

„Zwischenfall“ statt Attentat: Wie ARD, ZDF und ORF die Trump-Attacke sprachlich kleinredeten

Ein bewaffneter Angreifer mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und Messern stürmt eine Sicherheitsschleuse und schießt auf einen Polizisten – und die öffentlich-rechtlichen Sender sprechen von einem „Vorfall“ und „schussähnlichen Knallgeräuschen“. Die Wortwahl provoziert Kritik.

Tagesschau, ZDF, ORF: Ein Attentat wird zum „Zwischenfall“

Am Samstagabend stürmte Cole Tomas Allen, 31, das White House Correspondents‘ Dinner in Washington – schwerbewaffnet, mit einem Manifest, das er zuvor an sein Umfeld versandt hatte. Ein Polizist wurde mit einer Schrotflinte aus nächster Nähe angeschossen, nur seine kugelsichere Weste rettete ihm das Leben. Trump und Vizepräsident Vance wurden evakuiert.

Die Reaktion der deutschen und österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender war sprachlich bemerkenswert zurückhaltend. Wie Apollo News dokumentierte, meldete die Tagesschau: „Bei einem Gala-Dinner mit US-Präsident Trump und Journalisten in Washington ist es zu einem Zwischenfall gekommen.“ Das ZDF sprach von einem „Vorfall in Washington, D.C.“ Auf X schrieb die Tagesschau: „US-Medien berichten von schussähnlichen Knallgeräuschen“ – obwohl zu diesem Zeitpunkt längst feststand, dass echter Schusswaffengebrauch stattgefunden hatte. Auch der ORF verwendete laut exxpress.at die verharmlosende Terminologie.

ZDF-Korrespondent Theveßen nutzt das Attentat für Trump-Kritik

Besonders die Berichterstattung von ZDF-Washington-Korrespondent Elmar Theveßen sorgte laut nius.de für heftige Reaktionen. Theveßen wollte sich anfangs nicht auf ein politisches Motiv festlegen – obwohl laut Tichys Einblick zu diesem Zeitpunkt bereits ein Manifest des Täters vorlag, das politische Motivation belegt. Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Theveßen laut Apollo News, Trump werde die Tat politisch nutzen, und verwies auf Kritiker, die Trump eine Mitverantwortung am „Klima der Gewalt“ gäben.

NIUS-Redakteur Julian Reichelt kommentierte das scharf: „Was Elmar Theveßen hier von sich gibt, ist keine Fehleinschätzung. Es ist Propaganda. Er versucht, Millionen ZDF-Zuschauer durch Unklarheit, Ungewissheit und Verwirrung zu täuschen.“

Kein Einzelfall – Muster seit 2024

Wie Apollo News ergänzte, ist die relativierende Wortwahl kein neues Phänomen. Bereits nach dem Attentat auf Trump im Sommer 2024, als er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania von einer Kugel am Ohr getroffen wurde, hatte die Tagesschau von einem „Zwischenfall“ und einem „lauten Knall“ berichtet. Tichys Einblick sieht darin eine Methode: Der Begriff „Attentat“ werde im öffentlich-rechtlichen Sprachgebrauch für Trump-bezogene Vorfälle auffallend gemieden.

Die Reaktion auf die Berichterstattung sei laut nius.de in den sozialen Medien diesmal besonders heftig ausgefallen – auch weil inzwischen klar ist, dass Allen ein Anti-Trump-Manifest verschickt und gezielt versucht hatte, Regierungsmitglieder zu töten.

Credits: APA

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