Vor dem heutigen SPÖ-Krisengipfel verdichten sich nach Informationen von exxtra24 aus mehreren Parteikreisen die Forderungen nach einem Abgang von Andreas Babler. Bei dieser Frage herrsche in den betreffenden Kreisen Einigkeit. Doch selbst wenn sich die Gegner auf ein Ende seiner Amtszeit verständigen: Wer übernimmt danach – und mit welchem Kurs?
Der Sonntag könnte für Andreas Babler zum politischen Schicksalstag werden. Nach den exxtra24 vorliegenden Informationen wollen mehrere Kräfte innerhalb der SPÖ einen Wechsel an der Spitze. Eine nachgewiesene Einigkeit aller Landesorganisationen oder ein bereits beschlossener Rücktritt lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Ab 14 Uhr wird sondiert, ab 16 Uhr wird es ernst
Zunächst sollen sich die Landesvertreter um 14 Uhr untereinander abstimmen. Um 16 Uhr folgt das Treffen mit Babler im Hotel Steigenberger in der Wiener Herrengasse. Über diesen Ablauf berichtet auch oe24. Die Bühne für einen angespannten Nachmittag ist damit bereitet.
Die entscheidende Frage lautet: Wird dem Parteichef noch einmal der Rücken gestärkt – oder wird ihm nahegelegt, den Weg für eine Nachfolge freizumachen?
Pointiert gesagt: Babler dürfte gut beraten sein, Taschentücher einzupacken. Ob es tatsächlich zum Abschied kommt, ist vor Beginn der Gespräche aber offen.
Was bleibt Babler nach einem möglichen Abgang?
Mit einem möglichen Rückzug stellt sich auch die Frage nach Bablers weiterer beruflicher Zukunft. Ein Ende des Parteivorsitzes beantwortet allerdings noch nicht, wie es mit seiner Regierungsfunktion weitergeht.
Die pauschale Behauptung, Babler habe außerhalb der Politik keinerlei Berufserfahrung oder Qualifikation, hält einem Blick auf seinen Lebenslauf nicht stand. Dokumentiert sind unter anderem Tätigkeiten als Lagerarbeiter und Schichtarbeiter sowie ein Universitätslehrgang in politischer Kommunikation mit MSc-Abschluss.
Die politische Frage ist eine andere: Welche Perspektive hätte ein ehemaliger Parteichef nach einem solchen Machtverlust? Darüber lässt sich derzeit nur spekulieren.
Zöchlings vernichtender Spruch
Wie hart Babler auch außerhalb seiner Partei kritisiert wird, zeigt ein Sager von Remus-Chef Stephan Zöchling: Babler würde bei ihm in der Firma „nicht einmal den Hof kehren“.
Im STANDARD-Podcast „CEO“ wurde Zöchling mit dieser Aussage konfrontiert. Er räumte ein, dafür Kritik erhalten zu haben, und erklärte, sie seither nicht mehr in dieser Form verwendet zu haben. Der Spruch bleibt eine persönliche Abwertung durch einen Unternehmer – eine sachliche Bewertung von Bablers Qualifikationen ersetzt er nicht.
Ein neuer Chef allein repariert die SPÖ nicht
Sollte Babler gehen, beginnt für die SPÖ die eigentliche Arbeit. Eine neue Person an der Spitze beseitigt weder interne Konflikte noch beantwortet sie die Frage, wofür die Partei künftig stehen will.
Aus Sicht einer kritischen politischen Analyse braucht es eine Kurskorrektur: weniger ideologische Selbstbeschäftigung, mehr glaubwürdige Antworten auf Arbeit, Leistung, Sicherheit, Wohnen und wirtschaftliche Entwicklung. Wer die politische Mitte zurückgewinnen will, muss auch Menschen erreichen, die sich von der bisherigen Linie nicht angesprochen fühlen.
Ein bloßer Austausch des Namens auf dem Türschild wäre dafür zu wenig. Die SPÖ muss klären, wer sie führen soll – und wohin.
Credits: Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
Neueste Kommentare