ZARA verliert Fördergelder: Beratungsstelle gegen Hass im Netz vor dem Aus

ZARA verliert Fördergelder: Beratungsstelle gegen Hass im Netz vor dem Aus

Die Beratungsstelle ZARA, bekannt für ihren Einsatz gegen Hass im Netz und Rassismus, steht vor dem Aus. Das Bundeskanzleramt hat die Fördergelder gestrichen – eine Entscheidung, die nicht nur für den Verein, sondern auch für Betroffene schwerwiegende Folgen hat.

Plötzlicher Förderstopp sorgt für Schock

Seit 2018 wurde ZARA vom Bund unterstützt, zuletzt mit rund 330.000 Euro jährlich. Doch Anfang April kam die Hiobsbotschaft: Die Förderung wird eingestellt. Laut Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) seien „budgetäre Gründe“ ausschlaggebend. Gleichzeitig betonte sie, dass Gewaltschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die von mehreren Ministerien getragen werden müsse. Für ZARA bedeutet das jedoch: Neue Fälle können nicht mehr betreut werden, laufende Beratungen werden nur noch so lange wie möglich fortgeführt.

Frauen besonders betroffen

ZARA ist die einzige bundesweite Beratungsstelle in Österreich, die sich umfassend mit digitaler Gewalt und Rassismus auseinandersetzt. Besonders Frauen sind betroffen: Über 70 Prozent der gemeldeten Fälle von Hass im Netz stammen von ihnen. Neben psychosozialer Unterstützung bietet ZARA auch rechtliche Beratung an und ist als „Trusted Flagger“ zertifiziert, was bedeutet, dass sie hasserfüllte Inhalte bei Plattformen priorisiert löschen lassen können.

Kritik von allen Seiten

Die Entscheidung des Ministeriums stößt auf breite Kritik. Alexander Pollak von SOS Mitmensch bezeichnete den Förderstopp als „Anschlag auf die Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich“. Auch Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) zeigte sich überrascht und forderte eine rasche Lösung. Sie hatte erst kürzlich den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen vorgestellt, der auch digitale Gewalt in den Fokus rückt.

Arbeitsplätze und Expertise in Gefahr

Mit dem drohenden Aus von ZARA stehen nicht nur 18 Arbeitsplätze auf dem Spiel, sondern auch über acht Jahre mühsam aufgebaute Expertise. „Antidiskriminierungsarbeit ist in Österreich chronisch unterfinanziert“, so eine Sprecherin des Vereins. Ohne eine schnelle finanzielle Lösung droht bis Juni das endgültige Aus.

Appell an die Politik

ZARA appelliert an die Regierung, die Finanzierung langfristig und planbar zu sichern. „Der Schutz von Betroffenen und der Kampf gegen Hass im Netz dürfen nicht an Sparmaßnahmen scheitern“, heißt es seitens des Vereins.

Quellen: oe24.at, derStandard.at, zara.or.at, behindertenrat.at
Credits: APA

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