Wirtschaft: Österreich als einziges EU-Land im Minus

Wirtschaft: Österreich als einziges EU-Land im Minus

Es gibt Zahlen, die man dreimal liest, weil man hofft, sich verlesen zu haben. Diese hier gehört dazu.

Eurostat hat die Wachstumsdaten für das zweite Quartal veröffentlicht. Der Euroraum: plus 0,6 Prozent. Die EU insgesamt: plus 0,7 Prozent. Nach einem mauen Jahresstart mit 0,0 und 0,1 Prozent zieht Europa also spürbar an. Und Österreich? Minus 0,1 Prozent. Nicht „einer der schwächeren Werte“. Das einzige Minus im ganzen Klub der 27.

Man kann das drehen und wenden, wie man will – schön wird’s dadurch nicht.

Ganz oben steht Irland mit 10,2 Prozent Wachstum, ein Wert, bei dem man kurz an einen Tippfehler glaubt. Dahinter Slowenien mit 1,8, Litauen mit 1,7. Selbst Deutschland, das sich seit Jahren selbst als kranken Mann Europas bezeichnet, schafft noch 0,3 Prozent. Wir schaffen ein Minus. Frankreich, Rumänien und Belgien stehen bei glatten null Prozent – für die dürfte das inzwischen fast wie ein Achtungserfolg klingen, wenn man sieht, wer daneben steht.

Zu Irland kurz ein Wort, bevor die Verwirrung zuschlägt: Im Jahresvergleich, also Q2 2026 gegen Q2 2025, schrumpft die irische Wirtschaft um 0,4 Prozent – der schlechteste Wert der EU. Klingt widersprüchlich zum Quartalswunder von eben, ist es aber nicht. Irlands Zahlen hängen an einer Handvoll US-Konzernen, die dort aus steuerlichen Gründen ihre Bilanzen verbuchen. Ein verschobenes Patent, eine andere Buchungsperiode, und das BIP macht einen Satz, der mit dem echten Leben der Iren herzlich wenig zu tun hat. Österreichs Zahlen haben diesen Vorwand nicht. Bei uns ist es einfach schwach – ohne Ausrede.

Auch der Blick übers Jahr bringt keine Erlösung. Plus 0,4 Prozent seit dem letzten Sommer, das ist die österreichische Bilanz. Die Eurozone kommt im selben Zeitraum auf 1,2 Prozent, die EU auf 1,4. Wir laufen nicht hinterher, wir stehen fast still.

Und der Arbeitsmarkt macht keine Ausnahme. EU-weit wächst die Beschäftigung im Quartalsvergleich um 0,1 Prozent. Bei uns: nichts, null, Stillstand. Übers Jahr wird’s unangenehmer – während in der EU 0,4 Prozent mehr Menschen einen Job finden, verlieren wir 0,2 Prozent.

Man kann diese Zahlen jetzt schönreden. Man kann auf Sondereffekte verweisen, auf die Konjunktur, auf die Zinsen, auf die Energiepreise. Nur: Andere Länder haben dieselben Probleme und wachsen trotzdem. Österreich schafft es gerade als Einziges, in die entgegengesetzte Richtung zu marschieren. Das ist keine Randnotiz mehr. Das ist ein Befund.

Credits: Christopher Dunker, BKA

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