Eine junge Frau aus Wien hat sich als eines der Opfer des berüchtigten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein offenbart. Die erschütternden Details ihres Leidenswegs und die Folgen der Veröffentlichung der Epstein-Files werfen ein neues Licht auf den Skandal.
Intensive Kontakte und Missbrauch
Laut Recherchen des ORF hatte die Wienerin zwischen 2011 und 2013 intensiven Kontakt mit Epstein. Während dieser Zeit wurde sie „verbal und physisch“ missbraucht, wie sie gegenüber dem ORF bestätigte. Die junge Frau arbeitete damals bei der Pariser Niederlassung einer renommierten Anwaltskanzlei und lernte Epstein über eine Kollegin aus Moskau kennen. Diese Kollegin, die ebenfalls als Opfer gilt, vermittelte Epstein regelmäßig junge Frauen.
Epstein versprach der Wienerin, ihre juristische Karriere zu fördern, und prahlte mit seinem Einfluss an Eliteuniversitäten in den USA. „Meine Mandantin ging davon aus, dass Epstein ihr durch seine Empfehlung und seine Kontakte zu einer Zulassung verhelfen würde“, erklärte ihre Anwältin Brittany Henderson.
Druck zur Rekrutierung weiterer Opfer
Wie viele andere Opfer berichtete auch die Wienerin, dass Epstein sie dazu drängte, weitere Frauen für ihn zu rekrutieren. Sie weigerte sich jedoch standhaft, diesem Wunsch nachzukommen. Diese Ablehnung führte schließlich 2013 zum Abbruch des Kontakts durch Epstein.
Retraumatisierung durch die Epstein-Files
Die Veröffentlichung der Epstein-Files durch das US-Justizministerium hat die Wienerin erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Neben der Retraumatisierung durch die Offenlegung ihrer Identität sieht sie sich einer Welle von Hass im Internet ausgesetzt. „Infolgedessen wird meine Mandantin nicht nur dazu gezwungen, das Trauma des Missbrauchs erneut zu durchleben, sondern sie wurde auch systematisch erneut zum Opfer gemacht“, so ihre Anwältin.
Berufliche Konsequenzen
Zusätzlich zu den psychischen Belastungen drohen der Wienerin nun auch berufliche Konsequenzen. Ihr aktueller Arbeitgeber hat ihr eine Kündigung angedroht, sollte sie nicht einer einvernehmlichen Auflösung des Dienstverhältnisses zustimmen. Der Arbeitgeber wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Ein globales Netzwerk des Missbrauchs
Epstein, der 2019 in Haft Suizid beging, hatte ein weit verzweigtes Netzwerk aufgebaut, das prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft umfasste. Seine Opfer, darunter auch Minderjährige, wurden systematisch missbraucht und teilweise an Bekannte weitergegeben. Die Wienerin beschreibt, wie Epstein seinen Einfluss und seine Kontakte nutzte, um sich selbst als mächtig und unantastbar darzustellen.
Quellen: oe24.at, ORF, Die Presse, Tiroler Tageszeitung
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