Wien in der Krise: Vom „Wirtschaftsmotor“ zur Pleitehauptstadt?

Wien in der Krise: Vom „Wirtschaftsmotor“ zur Pleitehauptstadt?

Die wirtschaftliche Lage Wiens steht massiv in der Kritik. Laut einer Pressekonferenz des Wiener FPÖ-Chefs Dominik Nepp und des Wirtschaftsexperten Gerald Zmuegg ist die Darstellung der Stadtregierung, Wien sei ein „Wirtschaftsmotor“, reine Schönfärberei. Tatsächlich sei die Bundeshauptstadt das Zentrum von Insolvenzen und wirtschaftlichen Problemen.

Insolvenzen auf Rekordniveau

Die Zahlen sind alarmierend: Im Jahr 2025 wurden in Wien rund 1.500 Insolvenzen eröffnet – das entspricht einem Drittel aller Fälle in Österreich. „Wenn Wien wirklich der Wirtschaftsmotor wäre, dann wäre es nicht das Pleitezentrum der Republik“, kritisierte Dominik Nepp scharf. Er wirft Bürgermeister Michael Ludwig vor, die Wiener vor der Wahl mit falschen Versprechen getäuscht zu haben. „Nach der Wahl kam das Budgetdesaster ans Licht, und jetzt werden die Wiener durch horrende Energiepreise und steigende Abgaben ausgesackelt“, so Nepp weiter.

Standortattraktivität im Sinkflug

Wirtschaftsexperte Gerald Zmuegg untermauerte die Kritik mit Zahlen aus einer Umfrage unter 900 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Rund die Hälfte der Befragten stammt aus Wien, die andere Hälfte aus den restlichen Bundesländern. Das Ergebnis: Während österreichweit 42 Prozent der Betriebe ihren Standort als geeignet für Unternehmensgründungen bewerten, sind es in Wien nur noch 20 Prozent. „Das zeigt, wie stark Wien hier hinterherhinkt“, erklärte Zmuegg. Besonders die hohen Energiepreise und Abgaben in Wien seien ein zentraler Belastungsfaktor.

Forderungen für einen wirtschaftlichen Neustart

Die FPÖ Wien fordert einen klaren Kurswechsel, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Zu den zentralen Forderungen gehören:

  1. Stärkung des Mittelstands: Unternehmen sollen nicht länger als „Melkkuh“ der Stadtregierung behandelt werden.
  2. Bessere Finanzierungsmöglichkeiten: Bürokratische Hürden und ein unübersichtlicher Förder-Dschungel sollen abgebaut werden.
  3. Fachkräfte statt Massenzuwanderung: Die FPÖ kritisiert die hohen Ausgaben für Mindestsicherung und fordert eine gezielte Fachkräftepolitik.
  4. Leistbare Energiepreise: Wien Energie solle nicht zur Sanierung städtischer Schulden genutzt werden.
  5. Bildungspolitik mit Fokus auf Leistung: Die hohe Zahl außerordentlicher Schüler in Wien sei ein Alarmsignal.

Blick in die Zukunft

Die Unsicherheit unter Wiener Unternehmen ist groß. Laut Zmuegg planen nur 20 Prozent der Wiener Betriebe für 2026 Investitionen – ein dramatischer Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren. „Die Unternehmen teilen die von Bürgermeister Ludwig propagierte Sicht vom ‚Wirtschaftsmotor Wien‘ nicht. Im Gegenteil: Wien ist von der negativen wirtschaftlichen Entwicklung sogar stärker betroffen als andere Bundesländer“, fasste Zmuegg zusammen.

Credits: APA

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