Die Verschmutzung durch winzige Plastikpartikel hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten weltweit stetig zugenommen. Diese Nano- und Mikropartikel haben eine Größe von einem Nanometer bis zu 500 Mikrometern und gelangen auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper – über die Atemluft, durch die Haut oder über die Nahrung. Schätzungen zufolge nehmen Menschen pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik zu sich. Einmal aufgenommen, kann es in den Blutkreislauf gelangen und sich in verschiedenen Organen ablagern.
Wie genau sich diese Fremdkörper auf den Organismus auswirken und ab welchen Mengen sie gesundheitsschädlich sein könnten, ist bislang nicht abschließend geklärt. Kurzfristig könnten die Partikel möglicherweise Störungen im Herz-Kreislauf-System hervorrufen, während langfristig ein Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen vermutet wird. Dazu zählen unter anderem Entzündungsreaktionen, Atemwegserkrankungen und Stoffwechselstörungen.
Erst kürzlich lieferte eine Studie an Mäusen neue Hinweise darauf, wie Mikroplastik das Gehirn beeinflussen könnte. Demnach nehmen Immunzellen die Plastikpartikel auf, was dazu führen kann, dass diese Zellen verklumpen und Blutgefäße verstopfen. Dies könnte in weiterer Folge die Entstehung von Thrombosen begünstigen.
Neue Studie zeigt steigende Belastung im Körper
Fest steht, dass die Mikroplastik-Konzentration in menschlichem Gewebe in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist. Dies bestätigt eine aktuelle Studie, die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde. Forschende um Matthew J. Campen von der University of New Mexico Health Sciences untersuchten Gewebeproben Verstorbener aus Mexiko und den östlichen USA, insbesondere aus Leber, Nieren und Gehirn. Die untersuchten Proben stammten aus den Jahren 2016 und 2024. Mithilfe neuer Analysemethoden konnten nun auch besonders kleine Partikel unter fünf Mikrometern nachgewiesen werden, was in früheren Untersuchungen nur eingeschränkt möglich war.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Mikroplastikbelastung in den Nieren zwischen 2016 und 2024 relativ stabil blieb: Im Jahr 2016 lag die Konzentration bei durchschnittlich 538 Mikrogramm pro Gramm Gewebe, 2024 stieg dieser Wert auf 666 Mikrogramm. Im Vergleich zu anderen Körperregionen sind dies bereits hohe Werte – beispielsweise wurden in früheren Untersuchungen durchschnittlich 68 Mikrogramm pro Gramm in der Plazenta und 299 Mikrogramm pro Gramm in den Hoden nachgewiesen.
In der Leber wurde hingegen ein deutlicher Anstieg festgestellt: Die durchschnittliche Belastung stieg von 142 Mikrogramm pro Gramm (2016) auf 465 Mikrogramm pro Gramm (2024). Besonders alarmierend ist die Entwicklung im Gehirn: Dort lag die Mikroplastik-Konzentration 2016 bei durchschnittlich 3.345 Mikrogramm pro Gramm, während sie 2024 bereits 4.917 Mikrogramm erreichte – ein deutlicher Zuwachs innerhalb weniger Jahre.
Mithilfe chemischer Analysen konnten die Forschenden zudem die Kunststoffzusammensetzung bestimmen. Dabei wurde am häufigsten Polyethylen nachgewiesen – ein Material, das vor allem für Verpackungen und Plastikflaschen verwendet wird. In Leber und Nieren machte Polyethylen 40 bis 65 Prozent des gemessenen Mikroplastiks aus, im Gehirn lag dieser Anteil sogar bei 75 Prozent.
Möglicher Zusammenhang mit Demenz
Die Analyse ergab nicht nur eine allgemeine Zunahme der Mikroplastikkonzentration im menschlichen Gehirn über die letzten Jahrzehnte, sondern auch einen auffälligen Befund: In den Gehirnen von zwölf verstorbenen Personen mit diagnostizierter Demenz wurden besonders hohe Mengen an Mikroplastik nachgewiesen. Diese lagen zwischen 12.000 und 48.000 Mikrogramm pro Gramm Gewebe – ein Vielfaches der Werte, die in den anderen Proben festgestellt wurden.
Die Forschenden betonen jedoch, dass es sich hierbei lediglich um eine statistische Korrelation handelt und ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Mikroplastik und neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz noch nicht nachgewiesen wurde. Dennoch halten sie es angesichts der steigenden Belastung für dringend erforderlich, weitere groß angelegte Studien durchzuführen, um potenzielle gesundheitliche Auswirkungen besser zu verstehen.
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