Zum vierten Mal in diesem Jahr musste die NATO über rumänischem Staatsgebiet eingreifen. Ein spanischer Kampfjet schoss am Sonntag im Rahmen einer Luftraumüberwachungsmission der Allianz eine unbemannte Drohne ab, die illegal in den rumänischen Luftraum eingedrungen war.
Der Vorfall im Detail
Wie das rumänische Verteidigungsministerium mitteilte, erkannten Radarsysteme die Drohne, als sie aus dem benachbarten Moldau kommend in rumänisches Staatsgebiet eindrang – rund 24 Kilometer nördlich der südöstlichen Stadt Galati, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der spanische F-18-Pilot nahm daraufhin Radarkontakt mit dem Ziel auf und erhielt die Freigabe zum Eingreifen, wie das Ministerium in seiner Erklärung festhält. Die Trümmer der Drohne gingen in einem unbewohnten Gebiet nieder, Verletzte gab es keine. Zur Herkunft der Drohne machte das Ministerium keine offizielle Angabe.
Rumänien als besonders exponiertes NATO-Land
Rumänien teilt als NATO-Mitgliedsstaat eine rund 614 Kilometer lange Landgrenze mit der Ukraine und ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs wiederholt von Luftraumverletzungen betroffen, wie CNN berichtet. Neben Drohnenüberflügen kämpft das Land zusätzlich mit im Schwarzen Meer treibenden Minen entlang wichtiger Handels- und Energierouten.
Eine Serie von Vorfällen seit Kriegsbeginn
Der aktuelle Abschuss reiht sich in eine ganze Serie ähnlicher Vorfälle der vergangenen Monate ein. Erstmals überhaupt schoss ein rumänisches F-16-Kampfflugzeug im Juli eine mutmaßlich russische Drohne über rumänischem Staatsgebiet ab – unterstützt von zwei italienischen Eurofighter-Kampfjets, die im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachungsmission stationiert waren, wie Al Jazeera dokumentiert. Nur wenige Tage später, an drei aufeinanderfolgenden Tagen Ende Juli, schoss die rumänische Luftwaffe erneut Drohnen ab – woraufhin Rumänien den russischen Botschafter wegen „wiederholter Verletzungen“ einbestellte, wie der Nachrichtensender France24 berichtet. Bereits im Mai war eine Drohne in ein Wohnhaus in Galati gestürzt und hatte zwei Menschen verletzt – der erste Vorfall dieser Art in einem bewohnten Gebiet eines NATO-Staats überhaupt, den die Europäische Kommission damals als weiteren Beleg dafür wertete, dass Russlands Krieg „eine weitere Grenze überschritten“ habe.
Rechtliche Grundlage seit 2025
Möglich wurde das entschlossenere Vorgehen Rumäniens erst durch eine gesetzliche Neuerung: 2025 verabschiedete das rumänische Parlament ein Gesetz, das den Abschuss von Drohnen, die den nationalen Luftraum verletzen, ausdrücklich erlaubt, wie France24 berichtet. Zuvor hatte Rumänien trotz Dutzender dokumentierter Drohnenvorfälle seit Kriegsbeginn keine einzige davon aktiv abgeschossen.
Spanien als langjähriger NATO-Partner vor Ort
Die spanische Beteiligung an der aktuellen Mission ist kein Zufall: Spanien unterstützt die sogenannte „Enhanced Air Policing“-Mission der NATO in Rumänien bereits seit Jahren mit rotierenden Kampfjet-Verbänden, die vom Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu aus operieren, wie aus offiziellen NATO-Mitteilungen hervorgeht. Ergänzt wird die spanische Präsenz aktuell zusätzlich durch italienische Eurofighter-Kampfjets sowie britische Einheiten, die im Rahmen derselben Mission zeitweise im Land stationiert waren.
Ein Muster wachsender Spannungen
Die wiederholten Zwischenfälle verdeutlichen, wie unmittelbar der Krieg gegen die Ukraine mittlerweile auch NATO-Territorium betrifft. Mit inzwischen vier bestätigten Abschüssen allein im laufenden Jahr 2026 zeigt sich ein klarer Trend: Rumänien und seine NATO-Partner reagieren zunehmend entschlossener auf Luftraumverletzungen, während die zugrunde liegende Bedrohungslage entlang der Grenze zur Ukraine unverändert angespannt bleibt.
Credits: Kogo – Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2779574
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