Spiegel verschweigt unbequeme Fakten: Die halbe Wahrheit zur „White Privilege“-Debatte

Spiegel verschweigt unbequeme Fakten: Die halbe Wahrheit zur „White Privilege“-Debatte

Der „Spiegel“ präsentiert in seiner aktuellen Instagram-Bilderstrecke die WNBA-Spielerin Sophie Cunningham als Symbolfigur eines amerikanischen „Kulturkampfes“ – geprägt von „White Privilege“ und angeblichem „Trans-Hass“. Ein Blick auf die tatsächlichen Fakten rund um die Liga zeigt jedoch ein deutlich komplexeres Bild, als es die Zuspitzung des Magazins nahelegt.

Der Titel, der für sich spricht

Schon die Überschrift des zugrunde liegenden Artikels lässt aufhorchen: „Wie die ‚MAGA-Barbie‘ den US-Basketball der Frauen ins Chaos stürzt.“ Eine Spielerin, die eine sportpolitische Position zu Transgender-Athletinnen im Frauensport vertritt – eine Position, die im Übrigen auch von zahlreichen anderen Sportlerinnen, Verbänden und mittlerweile auch gesetzlichen Regelungen in mehreren US-Bundesstaaten geteilt wird –, wird hier nicht nur mit einem abwertenden Spitznamen belegt, sondern gleich zur alleinigen Verantwortlichen für den Zustand einer ganzen Liga erklärt. Das ist keine Beschreibung, das ist eine Zuschreibung – und sie verzichtet komplett darauf, die tatsächlichen internen Konflikte der WNBA auch nur ansatzweise einzuordnen.

Die Cunningham-Erzählung des „Spiegel“

In seiner Bilderstrecke beschreibt der „Spiegel“ Cunningham als „Ikone des Kulturkampfes in den USA“ und zitiert US-Vizepräsident JD Vance, wonach sie helfe, Amerika zu „retten“. Besonders zugespitzt formuliert das Magazin:

„Cunningham wird aber gefeiert: weiß, blond, blauäugig, provokant.“

Die Basketballerin selbst wird mit dem Satz zitiert:

„Ich will junge Mädchen in der Umkleidekabine beschützen. Junge Mädchen sollten nicht gegen biologische Männer antreten.“

Diese Aussage habe, so der „Spiegel“, „den WNBA-Kosmos in Aufruhr versetzt“.

Was der „Spiegel“ nicht erwähnt: Der Vorfall mit Carrington

Auffällig ist, was in der Bilderstrecke fehlt: der konkrete Auslöser der aktuellen Debatte um „White Privilege“ in der Liga. Wie CNN berichtet, wurde Cunningham am 9. August bei einem Spiel gegen die Chicago Sky von ihrer Gegenspielerin DiJonai Carrington bei einem Korbleger von hinten hart im Kopf- und Nackenbereich getroffen und zu Boden gerissen. Die Schiedsrichter werteten das Foul nach Videoüberprüfung von einem „Flagrant 1“ auf ein „Flagrant 2“ hoch, was zum Ausschluss Carringtons vom restlichen Spiel führte. Wenige Minuten später postete Carrington auf der Plattform Threads in Großbuchstaben „WHITE PRIVILEGE“ und markierte den Account der Indiana Fever, wie unter anderem Yahoo Sports dokumentiert.

Cunninghams eigene Reaktion – ebenfalls nicht erwähnt

Bemerkenswert ist auch, wie Cunningham selbst auf den Vorwurf reagierte – eine Reaktion, die in der „Spiegel“-Bilderstrecke keine Erwähnung findet.

„Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Letztes Jahr habe ich dasselbe getan und wurde ausgeschlossen. Und das habe ich auch verdient. Es gibt keinen Grund, diese Karte überhaupt zu spielen“, zitiert CNN die Fever-Spielerin.

Carrington selbst relativierte ihren Post später gegenüber dem ehemaligen NFL-Spieler Emmanuel Acho und erklärte laut Yahoo Sports, sie habe „nie behauptet, dass die Bewertung des Fouls White Privilege“ gewesen sei – eine nähere Erklärung für den ursprünglichen Post blieb sie jedoch schuldig.

Der blinde Fleck: Caitlin Clark

Noch aufschlussreicher wird die Auslassung des „Spiegel“ bei einem Vergleich mit einer anderen prominenten Fever-Spielerin: Caitlin Clark. Die von vielen als beste und wertvollste Spielerin der gesamten Liga bezeichnete Point Guard – weiß, heterosexuell, unbestreitbar die größte Zugkraft der WNBA – wird von der Liga selbst wiederholt aus eigenem Marketingmaterial ausgespart. Erst am 14. August kritisierten Fans erneut einen Werbe-Post des Senders ION, der die Fever-Spielerinnen Lexie Hull und Raven Johnson zeigte, Clark jedoch ausließ – obwohl sie mit Abstand die bekannteste Spielerin des Duells war, wie das Portal „HITC“ dokumentiert.

Bereits im Mai hatte die Liga selbst Clark aus einer Werbegrafik für ein nationales TV-Spiel gestrichen, im Juni fehlte sie sogar auf dem offiziellen Poster zum 30-jährigen Ligajubiläum, wie das Portal „EssentiallySports“ berichtete. Fever-Trainerin Stephanie White sah sich infolge der Debatten um Cunningham und der anhaltenden Kritik an der Vermarktung Clarks bereits gezwungen, öffentlich gegen „Hass, Panikmache und Spaltung“ innerhalb der Liga Stellung zu beziehen, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichten.

Eine journalistische Auslassung mit Wirkung

Die Gegenüberstellung wirft eine berechtigte Frage auf: Wenn eine Liga ihre erfolgreichste, meistgesehene Spielerin wiederholt aus eigenem Werbematerial streicht, während zugleich eine Debatte über angebliches „White Privilege“ tobt, gehört dieser Kontext dann nicht zu einer seriösen Einordnung des „Kulturkampfes“, den der „Spiegel“ beschreibt? Indem das Magazin ausschließlich Cunninghams Haltung zu Transgender-Sportlerinnen und die pauschale Zuschreibung „weiß, blond, blauäugig, provokant“ in den Mittelpunkt rückt, ohne den konkreten Auslöser der „White Privilege“-Debatte, Cunninghams eigene differenzierte Reaktion darauf oder die parallele Clark-Marketingdebatte auch nur zu erwähnen, entsteht ein deutlich einseitigeres Bild der Liga, als es die verfügbaren Fakten hergeben.

Credits: Screenshot Instagra, Sophie Cunningham

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x