Viel Präsenz, wenig Zustimmung: Babler dominiert die Schlagzeilen — aber nicht die Umfragen

Viel Präsenz, wenig Zustimmung: Babler dominiert die Schlagzeilen — aber nicht die Umfragen

Kein Politiker in Österreich war im April medienpräsenter als Andreas Babler. Gleichzeitig hat er unter den Regierungschefs die schlechtesten Vertrauenswerte. Eine Medienanalyse zeigt, warum das für die Koalition gefährlich ist.

371 Beiträge — und trotzdem kein Rückenwind

Wie exxpress unter Berufung auf das monatliche Politik-Ranking von APA-Comm berichtet, war Andreas Babler im April 2026 der medienpräsenteste Politiker Österreichs: 371 Beiträge in 13 österreichischen Tageszeitungen entfielen auf den SPÖ-Chef und Vizekanzler. Auf Platz zwei folgte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) mit 339 Beiträgen, erst danach Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) mit 322. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) kam auf 220 Beiträge, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) auf 184.

Das Ergebnis: Drei der fünf medienpräsentesten Politiker des Landes kamen im April aus der SPÖ. Nicht der Kanzler prägte das Bild der Regierung — sondern sein Vizekanzler.

Minus 33: Die härteste Zahl für Babler

Dass Babler die Schlagzeilen dominiert, klingt auf den ersten Blick nach Stärke. Beim genauen Hinsehen kehrt sich das Bild um. Im OGM/APA-Vertrauensindex vom April 2026, den exxpress zitiert, weist Babler einen Saldo von minus 33 aus — der schlechteste Wert unter den Parteichefs der Regierungskoalition. Bundeskanzler Stocker liegt bei minus 5, NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger bei minus 9. Selbst Grünen-Chefin Leonore Gewessler in der Opposition kommt auf minus 21 — deutlich besser als Babler. Schlechter schneidet nur FPÖ-Chef Herbert Kickl mit minus 42 ab. Der entscheidende Unterschied: Kickl agiert in der Opposition. Babler führt eine Regierungspartei.

Andere Erhebungen bestätigen das Bild. Bei Unique Research fiel Babler laut exxpress 52 Prozent der Befragten negativ auf — der schlechteste Wert unter den abgefragten Spitzenpolitikern.

Die Koalition im Stimmungstief

Das ist kein isoliertes Babler-Problem — es ist auch ein Regierungsproblem. Je nach Erhebung sind laut exxpress 65 bis 67 Prozent der Österreicher mit der Arbeit der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS unzufrieden. In der Sonntagsfrage kommen die drei Parteien gemeinsam nur noch auf rund 46 bis unter 50 Prozent — die FPÖ liegt in mehreren Erhebungen klar voran.

Kompetenzinseln gibt es zwar: Die ÖVP hält klassische Felder wie Wirtschaft und Landesverteidigung, die SPÖ punktet bei Teuerung und Wohnen, die NEOS beim Thema Schule. Doch auf das Gesamtbild zahlen diese Einzelwerte kaum ein. Die Regierung ist präsent — aber sie überzeugt immer weniger.

Wenn Sichtbarkeit zum Bumerang wird

Die APA-Comm-Analyse liefert damit eine unbeabsichtigt treffende Momentaufnahme. Der Kanzler regiert — doch Babler prägt das Bild. Der Finanzminister erklärt das Budget — der SPÖ-Chef steht im Scheinwerferlicht. Und die Regierung kommt trotzdem nicht aus dem Stimmungstief heraus.

Politik wird nicht nur über Beschlüsse und Budgetzahlen wahrgenommen, sondern auch über Gesichter. Wenn das sichtbarste Gesicht einer Regierung zugleich einer ihrer unbeliebtesten Spitzenpolitiker ist, wird Medienpräsenz schnell zum Problem. Sichtbarkeit ist eben nicht gleich Zustimmung. Manchmal ist sie das Gegenteil.

Credits: APA

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