FPÖ kritisiert Wiederkehrs Schulpläne — und kürzt selbst bei der Deutschförderung

FPÖ kritisiert Wiederkehrs Schulpläne — und kürzt selbst bei der Deutschförderung

Bildungsminister Christoph Wiederkehr präsentiert Reformpläne — und erntet prompt Kritik von der FPÖ. Nur: Die blauen Landesräte, die am lautesten schimpfen, machen es auf Landesebene selbst nicht besser.

Was Wiederkehr plant — und wofür er kritisiert wird

Nach seiner Pressestunde im ORF stellte FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl die Reformagenda von NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr als „ernüchterndes Zeugnis der aktuellen Bildungspolitik“ dar. Wie exxpress berichtet, kritisiert der FPÖ-Landesrat, dass Wiederkehrs Pläne — darunter die sechsjährige Volksschule, neue Fächer wie „Wirtschafts- und Finanzbildung“ und eine Reform der Deutschförderklassen — nicht umsetzbar seien und an den echten Problemen vorbeigingen.

Brücks Kernvorwurf laut FPÖ-Aussendung: Statt die Deutschproblematik an der Wurzel zu packen, würde Wiederkehr die Schulen mit weiterer Bürokratie belasten und bewährte Strukturen zugunsten „links-ideologischer Experimente“ schleifen. Die sechsjährige Volksschule bezeichnete Brückl im Nationalrat als „trojanisches Pferd für eine sozialistische Einheits- und Gesamtschule.“

Der Widerspruch, den die FPÖ nicht erklärt

Was Brückl und der FPÖ-Landesrat in der Steiermark dabei nicht ansprechen: Ausgerechnet in der Steiermark, wo mit FPÖ-Bildungslandesrat Johann Hermann ein Blauer für Bildung zuständig ist, wurden laut NEOS Steiermark 37 Prozent der Dienstposten bei den Deutschförderkräften gestrichen — jenen Lehrkräften also, die Kinder mit Sprachdefiziten gezielt unterstützen sollen. Dasselbe Thema, das die FPÖ auf Bundesebene als Kernversagen der Regierung anprangert, wird auf Landesebene aktiv verschlechtert.

Bildungsminister Wiederkehr hatte auf Bundesebene die Mittel für die Deutschförderung erhöht — eine Maßnahme, die laut NEOS-Steiermark durch die Kürzungen auf Landesebene konterkariert wird.

Was tatsächlich stimmt — und was nicht

Die Kritik an Wiederkehr ist nicht grundsätzlich falsch. Wie die aktuelle iKMPLUS-Erhebung zeigt, erreichen 39 Prozent der Schüler in der Steiermark die Bildungsstandards im Lesen nicht oder nur teilweise — beim Schreiben sind es sogar mehr als die Hälfte. Dass es erhebliche Sprachprobleme gibt, ist Faktenlage, keine politische Meinung.

Aber die Lösung, die die FPÖ auf Bundesebene einfordert — konsequente Deutschförderung, klare Mindeststandards, mehr Ressourcen für überlastete Lehrkräfte — ist genau jene, die ihre eigenen Landesräte auf Landesebene untergraben. Wer beides gleichzeitig macht, liefert keine Bildungspolitik. Er liefert Wahlkampfrhetorik.

Credits: APA

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