Der Iran-Krieg sollte Russland unter Druck setzen. Das Gegenteil ist eingetreten. Moskau verdient gerade so viel an seinen Ölexporten wie zuletzt zu Beginn des Ukraine-Kriegs — und füllt damit seine Kriegskasse.
2,5 Milliarden Dollar pro Woche — höchster Wert seit Kriegsbeginn
Wie exxpress unter Berufung auf Bloomberg-Tankerüberwachungsdaten berichtet, stiegen die durchschnittlichen Rohöllieferungen aus russischen Häfen im Vierwochenzeitraum bis Anfang Mai 2026 auf 3,66 Millionen Barrel pro Tag — den höchsten Stand seit Dezember 2025. Die Deviseneinnahmen beliefen sich in diesem Zeitraum auf durchschnittlich 2,5 Milliarden US-Dollar pro Woche. Allein in der letzten Berichtswoche erreichten die Exporterlöse laut Bloomberg rund 2,57 Milliarden US-Dollar — der höchste Wert seit Februar 2022, dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Wie t-online unter Berufung auf Reuters berichtet, hat sich Russlands wichtigste Einnahmenquelle aus der Rohstofffördersteuer im April sogar verdoppelt — auf rund neun Milliarden Dollar. Die russische Ölsorte Urals kletterte Anfang April auf 116 Dollar je Barrel — den höchsten Stand seit mehr als 13 Jahren. Dabei hatte Moskau seinen Staatshaushalt für 2026 auf Basis von nur 59 Dollar pro Barrel kalkuliert.
Drei Faktoren, die Russland profitieren lassen
Das Zusammentreffen dreier Entwicklungen erklärt den Rekord. Erstens: Die Hormuz-Blockade im Iran-Krieg hat laut t-online rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots vom Markt genommen — was die globalen Preise massiv nach oben treibt, von denen Russland direkt profitiert.
Zweitens: Die USA haben aus Furcht vor einem globalen Treibstoffmangel vorübergehend Sanktionserleichterungen für russisches Öl eingeführt — konkret für Transaktionen mit Rohöl, das vor bestimmten Stichtagen verladen wurde. Das öffnete Moskau Märkte, die zuvor geschlossen waren.
Drittens: Die im April beschädigten russischen Exportterminals in Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk wurden laut Bloomberg bis Anfang Mai weitgehend repariert — die Lieferengpässe sind damit vorerst behoben.
Indien als Hauptprofiteur — und Mittler
Der asiatische Markt bleibt das Rückgrat russischer Ölexporte. Wie Bloomberg festhält, gingen im Berichtszeitraum rund 3,4 Millionen Barrel pro Tag in die Region. Allein Indien nahm im Schnitt 1,5 Millionen Barrel pro Tag ab — im März zeitweise sogar fast zwei Millionen. Im April wurden laut Bloomberg rekordverdächtige 13 Lieferungen der Pacific-ESPO-Sorte nach Indien verschifft. Indien ist dabei kein passiver Abnehmer: Das Land kauft russisches Rohöl günstig, raffiniert es und verkauft die Produkte weiter — auch in EU-Staaten, was in Brüssel zunehmend Kritik auslöst.
Ukrainische Drohnen als einziger Bremsfaktor
Das einzige, was Russlands Ölboom derzeit noch hemmt, sind ukrainische Langstreckenangriffe auf die Exportinfrastruktur. Kiew hat seine Drohnenangriffe auf russische Ölhäfen und Raffinerien zuletzt massiv intensiviert — mit messbarem Effekt auf Produktionskapazitäten. Ob das reicht, um den Geldzufluss nach Moskau dauerhaft zu drosseln, ist offen. Derzeit spricht wenig dafür.
Credits: APA
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