Der DSN-Lagebericht 2025 zeigt: Rechtsextreme Tathandlungen stiegen um 34 Prozent. SPÖ, Grüne und die Österreichische Gewerkschaftsjugend reagieren mit scharfer Kritik — die FPÖ sieht sich als Zielscheibe politischer Instrumentalisierung.
1.986 rechtsextreme Tathandlungen — Täter immer jünger
Die Zahlen des Verfassungsschutzberichts 2025 der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sind eindeutig. Wie orf.at unter Berufung auf die Präsentation von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) und DSN-Direktorin Sylvia Mayer berichtet, wurden im Jahr 2025 insgesamt 1.986 rechtsextreme Tathandlungen registriert — ein Anstieg von rund 34 Prozent gegenüber den 1.486 Fällen des Vorjahres. Fast die Hälfte davon fiel unter das Verbotsgesetz.
Besonders alarmierend: Das Durchschnittsalter der Gefährder ist laut salzburg24.at innerhalb von fünf Jahren von 31 auf 23 Jahre gesunken. Die rechtsextreme Szene radikalisiere sich laut Leichtfried zunehmend im digitalen Raum und nutze dabei „neue Codes“, um in der gesellschaftlichen Mitte Fuß zu fassen.
SPÖ und Grüne: „Kein Randphänomen“
SPÖ-Bereichssprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz reagierte in einer Aussendung mit deutlichen Worten: „Der aktuelle Verfassungsschutzbericht zeigt sehr deutlich, was wir seit Jahren sagen: Rechtsextremismus ist die größte Gefahr für unsere Demokratie.“ Fast 2.000 Tathandlungen seien „kein Randphänomen, sondern ein ernsthaftes Sicherheitsproblem“. Die Radikalisierung immer jüngerer Menschen im digitalen Raum sei ein „klarer Weckruf“.
Die Grünen forderten laut orf.at eine stärkere Präventions- und Deradikalisierungspolitik. Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) schloss sich der Forderung nach konsequenterem Vorgehen gegen rechtsextreme Netzwerke an — und kritisierte, dass Begriffe wie „Remigration“ zunehmend salonfähig würden.
FPÖ: „Willkürliche Kriminalisierung“
Ganz anders liest FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz den Bericht. In einer Aussendung warf er Innenminister Karner vor, „willkürlich Begriffe“ zu kriminalisieren und ins „Extremismuseck“ zu stellen — konkret den Begriff „Remigration“, den die FPÖ für sich beansprucht. Gleichzeitig, so Schnedlitz, halte die ÖVP „die Grenzen für illegale Masseneinwanderung sperrangelweit offen“.
Was der Bericht noch zeigt
Während der Rechtsextremismus stark zugelegt hat, sank laut profil.at die Zahl linksextremer Tathandlungen von 214 auf 136 — ein Rückgang von 36 Prozent. Der islamistische Extremismus bleibt mit einem Plus von 42,3 Prozent auf 306 Fälle eine eigenständige und ernst zu nehmende Bedrohungslage. Neu im Fokus des Berichts: die Überschneidung rechtsextremer Netzwerke mit der sogenannten „Incel-Szene“ — Bindeglied sei laut Leichtfried die Misogynie, die als Einfallstor für extremistische Ideologien fungiere.
Credits: APA
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