Eigentlich ist es seit 2023 beschlossen: Ab 2035 dürfen in der EU nur noch Neuwagen zugelassen werden, die kein CO2 ausstoßen. Jetzt rücken die drei großen Fraktionen im Europaparlament davon ab. Für EVP-Chef Manfred Weber ist das Verbrenner-Aus “vom Tisch”. Ganz so weit ist es allerdings noch nicht.
Der Kompromiss
Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberale haben sich laut “Spiegel” und “Augsburger Allgemeiner” auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Formal sollen die CO2-Emissionen der Neuwagenflotte bis 2035 um 95 Prozent gegenüber 2021 sinken, wie Brussels Signal berichtet. Verbauen die Hersteller aber klimafreundlich in der EU produzierten Stahl, können sie sich das mit bis zu 7,5 Prozentpunkten anrechnen lassen. Am Auspuff müssen die Emissionen dann nur noch um 87,5 Prozent sinken. Damit dürften auch nach 2035 neue Autos mit Verbrennungsmotor, Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range-Extender zugelassen werden.
Weiter als die Kommission
Der Kompromiss geht über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus. Diese hatte im Dezember 2025 vorgeschlagen, das 100-Prozent-Ziel durch eine Reduktion um 90 Prozent zu ersetzen. Die restlichen Emissionen müssten demnach vollständig ausgeglichen werden, etwa durch grünen Stahl, E-Fuels oder Biokraftstoffe. Das Parlament lockert diese Vorgaben nun weiter.
Söder jubelt, der Autoverband will mehr
Die Reaktionen fallen gemischt aus. “Das Aus für den Verbrennungsmotor ist damit vom Tisch”, sagte Weber der “Augsburger Allgemeinen”, wie oe24 berichtet. CSU-Chef Markus Söder sprach von einer “Öffnung für den Hightech-Verbrenner” und einer “Chance für unsere Autoindustrie”. Der deutschen Autoindustrie geht der Kompromiss dagegen nicht weit genug. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte, er bleibe “in relevanten Punkten aber noch hinter den notwendigen Anpassungen zurück”. Sie verwies auf einen früheren Vorschlag von Kanzler Friedrich Merz und Präsident Emmanuel Macron. Scharfe Kritik kommt von den Grünen: Der Deal falle “noch hinter das zurück, was Deutschland und Frankreich vereinbart haben”, sagte Europaabgeordneter Michael Bloss. “Damit wird er zum Klotz am Bein für den boomenden Hochlauf der E-Autos.”
Grüner Stahl statt sauberer Auspuff
Kritiker stoßen sich vor allem an der Stahl-Regel. Grüner Stahl in der Karosserie senke kein Gramm CO2 am Auspuff, schreibt das Fachportal Dr. Web. Ob die Hersteller die Anrechnung überhaupt nutzen können, hängt zudem davon ab, ob 2035 genug grüner Stahl verfügbar und bezahlbar ist. Die Technologie gilt derzeit ohne staatliche Förderung als kaum wirtschaftlich. Gleichzeitig zeigt der Markt bereits in eine Richtung: In Deutschland war im September laut Dr. Web mehr als jeder dritte Neuwagen ein reines E-Auto.
Noch nicht beschlossen
Beschlossen ist mit der Einigung nichts. Am Donnerstag stimmen zunächst der Verkehrs- und der Industrieausschuss des Parlaments ab, danach das Plenum. Anschließend muss das Parlament mit den EU-Mitgliedstaaten eine gemeinsame Linie finden. Und dort gibt es unterschiedliche Positionen: Frankreich und Spanien hatten sich vor einem Jahr noch dafür ausgesprochen, die ursprünglichen Ziele weitgehend beizubehalten.
Credits: European Union , 2026
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