Trotz Neutralität genehmigt: Ein Spezialflugzeug der US Air Force überquerte am 2. April österreichisches Staatsgebiet. Das Bundesheer bestätigt den Vorfall – und erklärt ihn für regelkonform.
Spionageflieger über den Alpen
Wie das österreichische Luftfahrtmagazin Austrian Wings als erstes berichtete, startete am 2. April eine Maschine vom Typ Gulfstream EA-37B Compass Call II vom britischen Stützpunkt Mildenhall in Richtung Kreta. Laut Flugverfolgungsdienst Flightradar24 flog das Flugzeug um 14:09 Uhr UTC in den österreichischen Luftraum ein, überquerte die Alpen und setzte seinen Flug wenige Minuten später in Richtung Griechenland fort. Laut Flugbeobachtern führte die Route dabei auch über den Raum Oberstdorf in Deutschland – nur wenige Kilometer von der Vorarlberger Grenze entfernt – ehe das Flugzeug Richtung Süden weiterflog. Ziel war der Militärflughafen Chania auf Kreta, Teil der Souda Bay, einem der wichtigsten NATO-Stützpunkte im östlichen Mittelmeer.
Was ist die EA-37B überhaupt?
Beim überfliegenden Flugzeug handelt es sich um kein gewöhnliches Militärgerät. Wie das Fachmagazin FlightGlobal berichtet, basiert die EA-37B Compass Call auf einem modifizierten Gulfstream G550 Business Jet, trat im August 2024 ihren Dienst bei der US Air Force an und soll die ältere EC-130H Compass Call ersetzen. Das Flugzeug ist darauf ausgelegt, feindliche Kommunikation, Radarsysteme und Navigationsanlagen zu stören – ein Schlüsselwerkzeug moderner elektronischer Kriegsführung. Wie das Militärportal The Aviationist berichtet, hat das US Central Command (CENTCOM) offiziell bestätigt, dass die Maschinen im Rahmen der Operation Epic Fury eingesetzt werden – und damit ihren allerersten echten Kampfeinsatz absolvieren.
Bundesheer: „Konformer Überflug“
Das Verteidigungsministerium bestätigt den Vorfall, sieht aber keinen Regelverstoß. „Für die Flugzeuge wurde ein Überflug beantragt. In Abstimmung mit dem Außenministerium wurde der Überflug genehmigt“, erklärte ein Ministeriumssprecher gegenüber der APA. Eine entscheidende Bedingung sei dabei eingehalten worden: Die Aufklärungssensorik der Maschinen musste während des Überflugs abgeschaltet sein. Dies sei kontrolliert und bestätigt worden – daher handle es sich um einen „konformen Überflug“. Zielflughafen sei griechisches Hoheitsgebiet gewesen, Griechenland sei nicht in den Konflikt involviert.
Neutralität unter Druck
Dass überhaupt US-Militärjets über Österreich fliegen, sorgt für politischen Wirbel – zumal das Verteidigungsministerium erst am Donnerstag öffentlich bekannt gegeben hatte, den USA die Nutzung des Luftraums für Iran-Kriegseinsätze zu verweigern. Grundlage dafür sei das heimische Neutralitätsgesetz. Wie die Presse berichtet, wurden im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Überflüge ausländischer Militärluftfahrzeuge über österreichischem Staatsgebiet registriert. 36 Mal wurden Überflugversuche abgewiesen, 19 Mal stiegen Kampfjets auf, um mögliche Luftraumverletzungen zu prüfen oder zu verhindern.
SPÖ fordert komplettes Verbot
Aus der SPÖ kommt scharfe Kritik. Der niederösterreichische SPÖ-Vorsitzende Sven Hergovich macht in einer Aussendung keinen Hehl aus seiner Haltung: „Die Neutralität gilt absolut. Es darf in der aktuellen Kriegssituation gar keine Überflüge des US-Militärs geben. Ausnahmslos alle Flüge müssen verweigert werden.“ Dasselbe gelte auch für Bodentransporte. Vizekanzler Andreas Babler positionierte sich auf der Plattform Bluesky ebenfalls unmissverständlich: Österreich müsse den USA den Luftraum verweigern – man wolle mit „Trumps Politik des Chaos und seinem Krieg, der uns die nächste Energiekrise beschert, nichts zu tun haben.“
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