US-Behörden legen Hamas-Finanzierungsnetz offen – Spur führt nach Wien

US-Behörden legen Hamas-Finanzierungsnetz offen – Spur führt nach Wien

Washington/Wien, 17. März 2026. Das US-Finanzministerium schlägt erneut zu: Vier Organisationen stehen jetzt auf der Sanktionsliste – und eine davon nennt einen Wiener Verein als Kooperationspartner.

Tarnung als Hilfsorganisation

Wie das US-Finanzministerium in einer offiziellen Pressemitteilung mitteilt, hat die Sanktionsbehörde OFAC (Office of Foreign Assets Control) vier Organisationen auf die Schwarze Liste gesetzt, die den militärischen Arm der Hamas direkt finanzieren und Terroroperationen ermöglichen sollen. Die Methode dahinter ist laut Washington so simpel wie perfide: Hamas verstecke Einnahmequellen hinter zivilen Organisationen und nutze humanitäre Strukturen gezielt zur Terrorfinanzierung.

US-Finanzminister Scott Bessent wird in der OFAC-Pressemitteilung unmissverständlich: „Hamas finanziert seinen militärischen Arm weiterhin, indem er Schein-Wohltätigkeitsorganisationen ausnutzt. Das Finanzministerium wird nicht zulassen, dass Hamas den gemeinnützigen Sektor für seine gewaltsamen Zwecke missbraucht.“

Vier Organisationen im Visier

Wie das US-Finanzministerium weiter ausführt, treffen die Sanktionen drei in der Türkei ansässige Organisationen – Ghazi Destek Dernegi (GDD), Hayat Yolu und die Palestinian White Hands Assistance and Solidarity Association – sowie die in Indonesien ansässige Komite Nasional Untuk Rakyat Palestina (KNRP).

Besonders brisant: Hayat Yolu wird vom US-Finanzministerium als operatives Hauptquartier sowie als Bank- und Finanzdrehscheibe der Muslimbruderschaft eingestuft. Die Hamas gilt als palästinensischer Ableger eben dieser Organisation. Interne Hamas-Dokumente, die laut OFAC bei Operationen sichergestellt wurden, belegen konkrete Geldflüsse und logistische Unterstützung für Hamas-Mitglieder und deren militärische Infrastruktur.

Die Wiener Verbindung

Hier bekommt der Fall eine österreichische Dimension: Wie exxpress.at berichtet, listet der in Wien ansässige Verein Rahma Austria Hayat Yolu auf seinen eigenen Plattformen als Partnerorganisation. In einem Facebook-Posting ist demnach von gemeinsamen Hilfseinsätzen „mit unserer Partnerorganisation Hayat Yolu“ die Rede; auch die Vereinswebsite führe die nun sanktionierte Organisation als Kooperationspartner bei einem Projekt in der Türkei an.

Das ist nicht die erste Berührung von Rahma Austria mit Behörden: Im Zuge der polizeilichen „Operation Luxor“ fanden 2020 Hausdurchsuchungen beim Verein statt – damals wegen Verdachts auf Terrorismusfinanzierung und mögliche Hamas-Unterstützung. Das Verfahren wurde eingestellt. 2024 ermittelte die Staatsanwaltschaft Graz wegen Betrugs, Veruntreuung und Abgabenhinterziehung; dabei wurden laut Medienberichten 593.000 Euro Bargeld sichergestellt. Rahma wies sämtliche Vorwürfe als haltlos zurück. Laut Verein wurden alle Ermittlungen 2025 eingestellt.

Netzwerk mit System

Wie die Analysefirma Kharon dokumentiert, überschneiden sich Führungspersonen von Hayat Yolu mit bereits sanktionierten Hamas-Strukturen in Gaza. Die aktuellen Sanktionen sind dabei kein Einzelfall: Wie das US-Finanzministerium in seiner Pressemitteilung festhält, bauen sie auf früheren OFAC-Aktionen vom Oktober 2024, Juni 2025 und Januar 2026 auf – Washington zieht systematisch die Daumenschrauben an.

Keine Antwort aus Wien

Wie exxpress.at berichtet, stellte die Redaktion Rahma Austria bereits am vergangenen Freitag konkrete Fragen: zur Intensität der Zusammenarbeit mit Hayat Yolu, zu einer möglichen Fortführung der Partnerschaft und zur internen Bewertung der US-Vorwürfe. Bis Redaktionsschluss blieb jede Antwort aus.

Sanktionen mit realen Konsequenzen

Wie das ABA Banking Journal auf Basis der OFAC-Meldung berichtet, sind die Folgen der Sanktionen unmittelbar: Vermögenswerte werden eingefroren, amerikanische Geschäftsbeziehungen verboten, und ausländische Finanzinstitute, die weiterhin Transaktionen für die betroffenen Gruppen abwickeln, riskieren den Ausschluss vom US-Finanzsystem. Es geht also nicht um symbolische Gesten – sondern um echten Druck auf ein globales Netzwerk. Und eine seiner Verbindungen führt direkt nach Wien.


Quellen:

  • U.S. Department of the Treasury / OFAC, Pressemitteilung, 13. März 2026: home.treasury.gov/news/press-releases/sb0415
  • U.S. Department of the Treasury / OFAC, Pressemitteilung, 21. Januar 2026: home.treasury.gov/news/press-releases/sb0368
  • exxpress.at, Stefan Beig, 17. März 2026
  • Analysefirma Kharon (zit. nach exxpress.at)
  • ABA Banking Journal, 16. März 2026: bankingjournal.aba.com

Credits: APA

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