„Wärmste Glückwünsche“ zum Revolutionsjubiläum – Menschenrechtler sind fassungslos
Ausgerechnet jetzt. Nur Wochen nach der blutigen Niederschlagung von Massenprotesten im Iran schickt UN-Generalsekretär António Guterres seine „wärmsten Glückwünsche“ nach Teheran. Zum 46. Jahrestag der Islamischen Revolution gratulierte er Präsident Masoud Pezeshkian – jenem Regime, das nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen tausende Demonstranten töten ließ.
Staatliche Medien melden Gratulation
Wie die iranische Nachrichtenagentur WANA am Mittwoch meldete, bezeichnete Guterres in seinem Schreiben „Nationalfeiertage als Gelegenheit, über den historischen Weg eines Landes und seinen Beitrag zur internationalen Gemeinschaft nachzudenken“. Der UN-Chef betonte die Notwendigkeit von Dialog und Solidarität angesichts globaler Herausforderungen, berichtet die Berliner Zeitung.
Als dringende Aufgaben nannte Guterres die Beendigung von Kriegen, die Bewältigung der Klimakrise, den Abbau von Ungleichheiten sowie den verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.
Blutige Bilanz der Proteste
Das Timing könnte kaum brisanter sein. Seit Ende Dezember 2025 erschütterten Proteste den Iran, die von Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Die Zahlen schwanken dramatisch: Während die iranische Regierung von 3.117 Toten spricht, dokumentiert die US-basierte Human Rights Activists News Agency (HRANA) laut NPR über 6.100 bestätigte Todesfälle – die überwiegende Mehrheit davon Demonstranten.
Wie die Washington Post berichtet, verzeichnete die Organisation mehr als 6.800 verifizierte Todesopfer, überwiegend Demonstranten, die im Januar getötet wurden. Wikipedia führt Schätzungen an, die von mindestens 3.117 bis zu 36.500 Toten reichen – eine der größten Massakern in der modernen iranischen Geschichte.
Das UN-Menschenrechtsrat verurteilte Iran erst vor Wochen wegen der gewaltsamen Niederschlagung und ordnete weitere Untersuchungen an. UN-Experten sprechen von der schwersten Repressionswelle seit 1979.
„Beschämender Brief“
Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Hillel Neuer, Geschäftsführer von UN Watch in Genf, forderte die sofortige Veröffentlichung des vollständigen Briefs. „Die Welt verdient Transparenz in dieser Angelegenheit“, schrieb Neuer. „Wenn die Berichte authentisch sind, fordern wir Sie auf zu erklären, wie die Gratulation an ein Regime, das für andauernde Massaker verantwortlich ist, der Sache des Friedens und der Gerechtigkeit dient.“
Andrew Ghalili, Politikdirektor der National Union for Democracy in Iran (NUFDI), sagte laut Daily Caller: „Die Vereinten Nationen legitimieren ein Regime, das auf Repression, Hinrichtungen und der systematischen Zerstörung grundlegender Freiheiten aufgebaut ist.“
Was der 11. Februar bedeutet
Am 11. Februar 1979 stürzten Islamisten um Ayatollah Khomeini den Schah von Persien. Die Revolution machte den Iran zum ersten modernen Staat unter vollständiger islamistischer Kontrolle. Von hier aus begann der staatlich organisierte Export des politischen Islam – von der Finanzierung militanter Stellvertretergruppen im Libanon bis in den Jemen.
Im Inneren folgte eine blutige Bilanz: 8.000 bis 9.500 Hinrichtungen in den frühen Revolutionsjahren, systematische Repression gegen Opposition, Frauen und Minderheiten. Laut Junge Freiheit wurden 1988 mehrere tausend politische Gefangene hingerichtet. 2024 verzeichneten die UN mindestens 975 Hinrichtungen – ein Höchststand seit Jahren.
Welle der Empörung
Auf X brach ein Sturm der Entrüstung los. „Der moralische Bankrott der UN“, „Gratulation an die Mörder“, „Keinen Cent mehr für diese Organisation“ – so lauteten nur einige der Tausenden Kommentare. Eine Nutzerin schrieb: „Die UN hat unter Ihnen nicht nur versagt. Sie haben ihre Glaubwürdigkeit begraben.“
UN-Sprecher Stéphane Dujarric verteidigte das Schreiben als Teil langjähriger UN-Protokolle. Ähnliche Briefe seien am selben Tag an andere Länder zu deren Nationalfeiertagen verschickt worden. Die Botschaft solle „nicht als Billigung irgendwelcher Maßnahmen der Regierung interpretiert werden“, sagte Dujarric laut Fox News.
Araghchi soll vor Menschenrechtsrat sprechen
Zusätzliche Brisanz erhält die Affäre durch eine weitere Ankündigung: Irans Außenminister Abbas Araghchi soll Ende Februar vor dem UN-Menschenrechtsrat auftreten. Neuer fordert, die Einladung zurückzuziehen.
Dass ausgerechnet jetzt ein Vertreter des iranischen Regimes vor dem Menschenrechtsrat sprechen soll, während gleichzeitig Berichte über Folter, sexuelle Gewalt an Häftlingen und Schnellprozesse mit Todesurteilen kursieren, empfinden viele als Hohn.
Nicht das erste Mal
Guterres ist nicht der erste westliche Politiker, der dem Iran zum Revolutionsjahrestag gratuliert. Wie die Junge Freiheit berichtet, hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Regime 2019 „herzliche Glückwünsche“ geschickt, „auch im Namen meiner Landsleute“.
Für viele steht fest: Das Schreiben ist mehr als ein PR-Desaster. Es wirft die Frage auf, wie die UN dem Westen Moral zu Menschenrechten predigen kann – und gleichzeitig einem Regime zum Revolutionsjubiläum gratuliert, das seine eigenen Bürger verfolgt und tötet.
Credits: Von U.S. Mission Photo by Eric Bridiers – https://www.flickr.com/photos/us-mission/7704332996/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31838918
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