Ein neues Papier der OECD sorgt für Aufsehen und zeichnet ein überraschendes Bild der Zuwanderer in Österreich. Entgegen vieler Vorurteile sind diese überdurchschnittlich gut ausgebildet. Doch die Realität am Arbeitsmarkt sieht oft anders aus, denn viele müssen Jobs annehmen, die weit unter ihrer eigentlichen Qualifikation liegen.
Gut ausgebildet, aber unterfordert
Die Studie zum „Stand der Integration von Zugewanderten“, die von der OECD veröffentlicht wurde, fasst diverse Erhebungen der letzten Jahre zusammen. Eine zentrale Erkenntnis: Der Anteil der Zuwanderer mit hohem Bildungsniveau übersteigt sogar jenen der in Österreich geborenen Bevölkerung. Dies ist, wie das Papier festhält, vor allem auf hochqualifizierte EU-Bürger zurückzuführen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Akademiker nach ihrer Ankunft in Österreich beruflich zurückstecken müssen. Während 62 Prozent der Zuwanderer, die ihren Hochschulabschluss in Österreich erworben haben, in hoch qualifizierten Berufen tätig sind, sinkt dieser Wert dramatisch bei jenen mit ausländischen Abschlüssen. Nur 48 Prozent der Zuwanderer mit einem EU-Abschluss und sogar nur 27 Prozent mit einem Abschluss aus einem Nicht-EU-Land finden eine adäquate Anstellung, wie oe24.at berichtet. Ein Hauptgrund dafür sind oft die Hürden bei der Anerkennung ausländischer Zeugnisse.
Weniger Pflichtschulabschlüsse als in Nachbarländern
Auch am unteren Ende der Bildungsskala gibt es bemerkenswerte Zahlen. Nur etwa sechs Prozent der Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern haben lediglich einen Pflichtschulabschluss. Dieser Wert liegt, so die OECD, deutlich unter dem in Vergleichsländern wie Deutschland oder Belgien, wo der Anteil bei über 20 Prozent liegt.
Trotz positiver Entwicklungen bei der Erwerbstätigkeit, die einen Rekordwert erreicht hat, bleibt die Arbeitslosigkeit bei gering qualifizierten Zuwanderern mit 18 Prozent eine der höchsten in Europa.
Wohnsituation und Kinder bleiben Problemfelder
Neben den Herausforderungen am Arbeitsmarkt offenbart die Studie auch Schwierigkeiten in anderen Lebensbereichen. So leben Zuwanderer überdurchschnittlich oft in beengten Wohnverhältnissen. Laut den Daten leben 28 Prozent in überbelegten Wohnungen, verglichen mit nur sechs Prozent der in Österreich geborenen Bevölkerung.
Dieser Umstand wirkt sich auch auf die nächste Generation aus. Kinder von Zuwanderern haben es im Bildungssystem schwerer. Sie schneiden bei PISA-Studien schlechter ab als in vielen anderen Ländern, und nur einem Drittel der Jugendlichen gelingt es, ein höheres Bildungsniveau als ihre Eltern zu erreichen.
Quellen: oe24.at, OECD-Papier
Credits: APA
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