Es gibt eine besonders unverschämte Variante des Opfernarrativs: Man zündet das Haus an, lädt niemanden ein, schaut dem Feuer zu – und beschwert sich dann lautstark, dass die Nachbarn keine Eimer schleppen. Genau das macht Donald Trump gerade auf internationaler Bühne.
Niemand wurde gefragt – niemand wurde informiert
Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf mehrere Quellen festhält, war keines der NATO-Länder vor Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar 2026 konsultiert oder auch nur informiert worden. Kein Briefing, kein Anruf, kein Hinweis. Die Partner erfuhren vom Krieg so wie der Rest der Welt: aus den Nachrichten. Wie t-online weiter festhält, haben die Angriffe seit ihrem Beginn die globalen Märkte in Aufruhr versetzt, Tausende Menschenleben gefordert und Millionen Menschen in die Flucht getrieben.
Trotzdem schrieb Trump am 20. März auf Truth Social, wie ZDF heute berichtet: Ohne die USA sei die NATO ein Papiertiger. Seine Verbündeten seien „FEIGLINGE“. Man werde sich das „MERKEN“.
Ein Krieg, der keinem Bündnis folgt
Das Grundprinzip jedes Militärbündnisses ist kollektive Entscheidungsfindung. Artikel 5 der NATO schützt Mitglieder vor Angriffen – er verpflichtet niemanden, einem unilateral begonnenen Angriffskrieg beizutreten. Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach dem EU-Gipfel in Brüssel laut Berliner Zeitung erklärte, seien die Verteidigung des Völkerrechts und die Deeskalation „das Beste, was wir tun können“. Er habe von niemandem den Wunsch gehört, in diesen Konflikt einzutreten.
Wie Time unter Berufung auf Trump-Aussagen im Oval Office berichtet, erklärte der US-Präsident gleichzeitig, die USA bräuchten die Unterstützung der Verbündeten gar nicht – um kurz darauf genau diese Unterstützung einzufordern und das Ausbleiben als Verrat zu werten. Die innere Logik dieser Position: Ich entscheide alleine, ihr habt die Konsequenzen zu tragen.
Völkerrecht als Fußnote
Ein wesentlicher Aspekt, der in Trumps Social-Media-Ausbrüchen schlicht fehlt: Der Angriff auf den Iran ist nach geltender Einschätzung zahlreicher Juristen und internationaler Beobachter ein Bruch des Völkerrechts. Einen souveränen Staat ohne UN-Mandat, ohne unmittelbare Notwehrsituation und ohne vorherige Konsultation der eigenen Bündnispartner anzugreifen, widerspricht der UN-Charta. Wie Macron nach dem EU-Gipfel laut Berliner Zeitung betonte, müsse genau die Verteidigung dieses Rechtsrahmens Europas Priorität sein.
Und jetzt: die Rechnung
Wie ZDF heute festhält, steht Trump innenpolitisch wegen der gestiegenen Spritpreise unter wachsendem Druck. Die Straße von Hormuz ist blockiert, rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports kommt nicht mehr durch. Wer die Konsequenzen eines selbst angezettelten Krieges nicht alleine bewältigen kann, darf sich nicht wundern, wenn die Partner – die er nie fragte, nie informierte und deren Rechtsnormen er ignorierte – nicht in den Schützengraben springen.
Feiglinge? Nein. Das nennt man Haltung.
Quellen:
- ZDF heute (zdfheute.de), 20. März 2026
- Berliner Zeitung (berliner-zeitung.de), 20. März 2026
- t-online.de, 20. März 2026
- Time (time.com), 17. März 2026
- Bloomberg (bloomberg.com), 20. März 2026
- Tagesanzeiger (tagesanzeiger.ch), 21. März 2026
Credits: APA
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