Trump schüttelt Orbán die Hand – und der Rest ist Wahlkampf

Trump schüttelt Orbán die Hand – und der Rest ist Wahlkampf

Zwei Monate vor der ungarischen Parlamentswahl besucht US-Außenminister Marco Rubio Budapest. Was folgt, ist mehr als Diplomatie: Es ist eine öffentliche Liebeserklärung an Viktor Orbán – inklusive Milliardendeal.

Rubio in Budapest: Lob mit Ansage

Nach der Münchner Sicherheitskonferenz und einem Zwischenstopp in der Slowakei landete US-Außenminister Marco Rubio am 16. Februar in Budapest. Was er dort sagte, klingt weniger nach Diplomatie als nach offenem Wahlkampfhilfe.

„Ich kann Ihnen mit Zuversicht sagen: Trump ist tief Ihrem Erfolg verpflichtet“ – so Rubio laut einem Bericht der Associated Press direkt an Orbáns Adresse. Ein Satz, der in Ungarn für Aufsehen sorgte. Trump selbst hatte Orbán schon früher als „großartigen Mann und eine sehr besondere Person“ bezeichnet.

Orbán ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt: Kein US-Präsident habe international so viel für den Frieden getan wie Trump. Ohne ihn im Weißen Haus gebe es „keine realistische Chance“ auf eine baldige Beendigung des Ukraine-Krieges – eine Botschaft, die er seit Monaten im Wahlkampf vor sich herträgt.

Der Nukleardeal: 15 Milliarden Dollar und strategische Unabhängigkeit

Herzstück des Besuchs ist ein handfester Vertrag. Rubio unterzeichnete in Budapest das US-ungarische zivile Nuklearabkommen, das jahrzehntelange Zusammenarbeit in der Kernenergie vorsieht. Washington will Ungarn zum regionalen Knotenpunkt für Small Modular Reactors (SMR) machen und drängt auf den Einsatz amerikanischer SMR-Technologie. Das US-Unternehmen Holtec International soll zudem bei der Lagerung abgebrannter Kernbrennstoffe helfen. Das US-Außenministerium beziffert das wirtschaftliche Potenzial dieser Vereinbarungen auf über 15 Milliarden Dollar und Tausende Arbeitsplätze in den USA. U.S. Department of State

Im Rahmen des Abkommens wird Ungarn erstmals Kernbrennstoff von amerikanischen Lieferanten kaufen. CBS News Das ist ein Bruch mit einer jahrzehntelangen Abhängigkeit: Bisher laufen im Kraftwerk Paks vier russische VVER-440-Reaktoren, die fast die Hälfte des ungarischen Stroms erzeugen. Für Orbán hat das Abkommen sowohl politische als auch strategische Bedeutung – es zeigt, dass Ungarn seine nukleare Lieferkette diversifiziert und damit neue Optionen jenseits Russlands erschließt. CBS News

Umfragen: So eng war es noch nie

Dass Rubio ausgerechnet jetzt nach Budapest reist, ist kein Zufall. Laut dem gewichteten Wahltrend von PolitPro liegt Tisza – Respekt und Freiheit, die Partei von Herausforderer Péter Magyar – bei 46,5 Prozent. Orbáns Fidesz/KDNP-Bündnis kommt auf 41,7 Prozent. PolitPro

Die Zahlen sind historisch: Das unabhängige Institut Idea prognostiziert einen Vorsprung Magyars von zehn Prozentpunkten, das Institut 21 Kutatóközpont sieht ihn sogar 16 Punkte vorn. T-online Regierungsnahe Institute wie Nézőpont hingegen sehen Fidesz klar in Führung – eine Schere zwischen unabhängiger und staatsnaher Forschung, die den politischen Graben in Ungarn selbst widerspiegelt.

Aufgrund von Änderungen der Wahlkreisgrenzen zugunsten von Fidesz muss Tisza einen Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten erzielen, um die Mehrheit im Parlament zu erlangen. Eurotopics Ein Sieg reicht also nicht – es braucht einen deutlichen.

„Goldenes Zeitalter“ und das Board of Peace

Orbán sprach in der gemeinsamen Pressekonferenz von einem „neuen goldenen Zeitalter“ in den US-ungarischen Beziehungen und zählte konkrete Belege auf: Seit Jänner 2025 seien 17 US-Investitionsentscheidungen in Ungarn gefallen – ein Rekord im vergangenen Jahrzehnt. Ungarn hat zudem wieder Zugang zum US-Visawaiver-Programm. exxpress

Außerdem kündigte Orbán an, Ungarn werde dem von Trump neu gegründeten „Board of Peace“ beitreten, das diese Woche in Washington erstmals zusammentritt. Und: Budapest steht bereit als möglicher Gastgeber für einen Friedensgipfel zwischen Russland und der Ukraine. Rubio betonte, die USA wollten beide Seiten an den Verhandlungstisch bringen – ohne Ergebnisse zu diktieren. exxpress

Russisches Gas bleibt – trotz der Annäherung an Washington

Ein Widerspruch bleibt bestehen: Trotz der neuen nuklearen Partnerschaft mit den USA hält Ungarn weiter an russischem Öl und Gas fest. Orbán argumentiert damit, Haushalten und Industrie so günstige Energiepreise garantieren zu können. Ein vollständiger Bruch mit Moskau ist also nicht geplant – was in Brüssel und Kiew nach wie vor für Unmut sorgt.

Selenskyj hatte zuletzt öffentlich Kritik an Ungarns EU-Position geübt. Orbáns Reaktion darauf war knapp: Kiew sei „im ungarischen Wahlkampf angekommen“. Die Parlamentswahl am 12. April wird zur Richtungsentscheidung stilisiert – Europa oder Eigenweg, Friedensvermittler oder EU-Musterschüler.

Mehr als ein Staatsbesuch

Rubio sprach sich in Budapest offen für Orbáns Wiederwahl als Ministerpräsident aus und betonte die enge persönliche Beziehung zwischen dem ungarischen Premier und US-Präsident Trump. U.S. News & World Report Was dieser Besuch bedeutet, geht also über Diplomatie hinaus: Washington liefert politische Rückendeckung, Milliardenprojekte und öffentliches Lob – kurz vor dem härtesten Wahlkampf, den Orbán seit seiner Rückkehr an die Macht 2010 erlebt hat.

Ob das reicht, entscheiden die Ungarn am 12. April.


Quellen: exxpress.at · US Department of State (state.gov) · Associated Press · CBS News · t-online.de · PolitPro Wahltrend · Publicus Institut · Zavecz Institut · Pester Lloyd · eurotopics.net

Credits: APA

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