Tanner fordert verpflichtende Milizübungen: Ein Schritt in die Zukunft des Bundesheeres?

Tanner fordert verpflichtende Milizübungen: Ein Schritt in die Zukunft des Bundesheeres?

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat eine klare Botschaft: Die Wiedereinführung verpflichtender Milizübungen nach dem Grundwehrdienst soll kommen. „Truppenübungen erhöhen die Einsatzbereitschaft und den Ausbildungsstand“, betonte Tanner am Dienstag. Doch was steckt hinter diesem Vorstoß, und wie reagiert die Politik?

Die Idee: Mehr Einsatzbereitschaft durch Übung

Die von Tanner eingesetzte Wehrdienstkommission hat drei Modelle für die Zukunft des Wehrdienstes präsentiert. Besonders im Fokus: das Modell „Österreich plus“, das acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate verpflichtende Milizübungen vorsieht. Tanner sieht darin eine notwendige Anpassung an die veränderte Sicherheitslage. „Die Menschen sind heute mehr denn je für die Wehrpflicht“, erklärte sie und verwies auf die Volksbefragung von 2013, bei der sich die Mehrheit gegen ein Berufsheer aussprach.

Politische Reaktionen: Uneinigkeit in der Regierung

Während Tanner auf einen breiten politischen Konsens hofft, zeigt sich die Realität anders. Die SPÖ und die Neos lehnen eine Verlängerung des Wehrdienstes ab. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim fordert eine fundierte Debatte über die finanziellen und arbeitsrechtlichen Auswirkungen. Auch die NEOS sehen keinen Bedarf für eine Verlängerung und verweisen auf das Regierungsprogramm, in dem solche Pläne nicht vorgesehen sind.

Einzig die FPÖ unterstützt Tanners Vorstoß. Wehrsprecher Volker Reifenberger bezeichnete die Empfehlungen der Kommission als „längst überfällig“. Die Grünen hingegen plädieren für eine umfassende Reform, lehnen aber eine bloße Verlängerung des Wehrdienstes ab.

Kritik und offene Fragen

Die Bundesjugendvertretung (BJV) äußerte sich kritisch zu den Plänen. „Es gibt viele Stellschrauben, an denen die Politik drehen kann, bevor junge Menschen länger verpflichtet werden“, so BJV-Vorsitzende Anna Schwabegger. Auch die Frage nach der Attraktivität des Wehrdienstes bleibt offen. Kritiker bemängeln, dass die Belastung für Berufstätige und Arbeitgeber nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

Quellen: oe24.at, Die Presse, Kleine Zeitung, Krone, Der Standard, Kurier
Credits: APA

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