SPÖ-Frauen über Niessls Vorstoß zur Bundespräsidentenwahl 2028 erzürnt

SPÖ-Frauen über Niessls Vorstoß zur Bundespräsidentenwahl 2028 erzürnt

Mit seiner öffentlichen Ankündigung, 2028 für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren zu wollen, hat Hans Niessl parteiintern für erhebliche Unruhe gesorgt. Der ehemalige burgenländische Landeshauptmann positionierte sich frühzeitig – und vor allem als erster prominenter SPÖ-Vertreter – für die Hofburg. Ein Schritt, der innerhalb der Partei nicht nur als strategisch kalkuliert, sondern auch als machtpolitisches Signal verstanden wird.

Besonders im Umfeld der SPÖ-Frauen dürfte die Entscheidung auf wenig Gegenliebe stoßen. Seit längerem wurde spekuliert, dass die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures als mögliche Kandidatin aufgebaut werden könnte. Niessls Vorstoß kommt diesem Szenario nun zuvor – und wird von manchen als klare Blockade weiblicher Ambitionen gewertet.

Kritik aus der Arbeiterkammer

Auch von Seiten der Arbeiterkammer gab es kritische Töne. AK-Präsidentin Renate Anderl äußerte sich in der ORF-„Pressestunde“ reserviert gegenüber der frühen Selbstnominierung. Sie betonte die Notwendigkeit breiter parteiinterner Abstimmung und warnte indirekt vor vorschnellen Alleingängen.

Gleichzeitig ist parteiintern bekannt, dass Anderl nicht zum engsten strategischen Kreis rund um Parteichef Andreas Babler zählt – auch wenn sie ihre Loyalität öffentlich betont. In der SPÖ laufen damit mehrere Linien nebeneinander: formelle Geschlossenheit nach außen, aber spürbare Positionskämpfe im Hintergrund.

Unruhe im Frauennetzwerk

Im inneren Frauenzirkel der Partei dürfte die Stimmung angespannt sein. Der Gedanke, dass eine mögliche weibliche Kandidatur durch Niessls Vorpreschen erschwert oder gar verhindert wird, sorgt für Verärgerung. Offiziell gibt man sich zurückhaltend – inoffiziell ist von deutlicher Kritik die Rede.

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner soll intern klare Worte gefunden haben und innerlich fast explodiert sein so Parteigenossen. Öffentlich bleibt sie diplomatisch, doch die Debatte zeigt, wie sensibel die Frage der Spitzenkandidatur in der Partei gehandhabt wird.

Strategischer Vorteil für Niessl

Politisch betrachtet folgt Niessl einer klassischen Logik: Wer früh aufsteht, besetzt das Feld. Mit seiner Ankündigung setzt er ein Signal der Entschlossenheit – und zwingt potenzielle Mitbewerberinnen und Mitbewerber, sich zu positionieren. In der politischen Realität gilt oft: Der frühe Kandidat definiert den Diskurs.

Ob der Schritt langfristig parteiintern trägt oder neue Gräben aufreißt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Debatte um 2028 hat innerhalb der SPÖ deutlich früher begonnen als erwartet – und sie wird nicht geräuschlos verlaufen.

Credits: APA

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