ÖGfE-Umfrage: Zustimmung zur EU steigt – jeder Vierte will trotzdem raus

ÖGfE-Umfrage: Zustimmung zur EU steigt – jeder Vierte will trotzdem raus

68 Prozent der Österreicher wollen in der EU bleiben, so viele wie lange nicht. Gleichzeitig spricht sich jeder Vierte für einen Austritt aus, und bei den Sympathisanten einer Partei ist das sogar die Mehrheitsmeinung. Das zeigt die aktuelle Herbstumfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE).

Plus neun Punkte seit Frühjahr 2025

Für die Umfrage hat das market-Institut von 21. bis 24. September 1.000 Menschen zwischen 16 und 80 Jahren online befragt, die maximale Schwankungsbreite liegt bei 3,16 Prozentpunkten. 68 Prozent sind dafür, dass Österreich EU-Mitglied bleibt, 25 Prozent plädieren für einen Austritt, 6 Prozent sind unsicher oder machen keine Angabe. Seit April 2025 ist die Zustimmung laut ÖGfE um neun Prozentpunkte gestiegen, die Ablehnung um fünf Punkte gesunken. Im langjährigen Schnitt seit dem Beitritt 1995 liegen die Befürworter bei rund 70 Prozent, die Austrittsbefürworter bei rund 22 Prozent.

„Stabilität ist nicht selbstverständlich“

ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt führt den Anstieg auf Werte zurück, die angesichts der Weltlage an Gewicht gewinnen: Stabilität, Rechtssicherheit und Berechenbarkeit. „Die Annäherung Kanadas und des Vereinigten Königreichs an die EU, sowie intensivierte Handelspartnerschaften machen zudem deutlich, dass die Union weltweit als verlässlicher Partner agiert und an Bedeutung gewinnt.“

Erweiterung: Sechs von zehn sagen Nein

Bei neuen Mitgliedern bleiben die Österreicher skeptisch. Rund sechs von zehn Befragten lehnen es ab, dass in den kommenden fünf Jahren neue Länder der EU beitreten, nur 28 Prozent wären einverstanden. Das Ergebnis passt zu einer Woche, in der Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) Montenegro bei einem Besuch in Podgorica den EU-Beitritt als „in Reichweite“ bezeichnete. Schmidt fordert, Information und Dialog über die Erweiterung zu verstärken.

Mehr Distanz zu den USA, Sorge wegen Russland

Gespalten sind die Österreicher bei der Frage, wie eng die EU zusammenarbeiten soll: 38 Prozent wünschen sich mehr Zusammenarbeit, 21 Prozent finden das aktuelle Ausmaß richtig, ein Drittel will weniger – sechs Punkte mehr als im April 2025. Breite Einigkeit gibt es gegenüber den USA: 79 Prozent finden, die EU solle bei strittigen Fragen stärker auf ihrem Standpunkt beharren. 58 Prozent sind überzeugt, dass Russland gezielt versucht, die EU etwa durch Desinformation, Cyberangriffe oder Sabotage zu destabilisieren, 19 Prozent glauben das eher nicht oder sicher nicht.

FPÖ-Anhänger als einzige mehrheitlich für den Austritt

Deutlich wird die politische Spaltung. „So sind deklarierte Sympathisanten der FPÖ als einzige mehrheitlich – zu 56 Prozent – und praktisch konstant für einen EU-Austritt unseres Landes, während dies für Anhänger anderer Parteien überhaupt kein Thema ist“, sagt Schmidt. Neun von zehn FPÖ-Sympathisanten seien gegen eine baldige Erweiterung, drei Viertel gegen mehr Zusammenarbeit, fast die Hälfte zweifle an Russlands Destabilisierungsabsichten. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die FPÖ einen EU-Austritt offiziell nicht fordert. Politikberater Karl Jurka hatte die Partei erst vor zwei Wochen im APA-Interview gerade deshalb von der AfD abgegrenzt: Die FPÖ habe auf radikale Forderungen wie den EU- und Euro-Austritt verzichtet.

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