Statt parteiinterner Rüge erhält Donaustadts Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy nach seiner scharfen Kritik an SPÖ-Chef Andreas Babler offenbar breiten Zuspruch aus den eigenen Reihen. Was als persönlicher Ausrutscher hätte gelten können, entpuppt sich zunehmend als Ausdruck einer weit verbreiteten Stimmung in der Partei.
Die Vorgeschichte: Ein Weinkeller-Gespräch mit Folgen
Wie Heute.at bereits berichtete, soll der SPÖ-Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt bei einer Gesprächsrunde heftig über seinen Parteichef und Vizekanzler hergezogen sein. Die Aussagen gehen aus Tonaufnahmen hervor, die heimlich im Weinkeller des Ex-Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Ruck, aufgenommen wurden. Nevrivy bezeichnete Babler dabei als „Bürgermeister, der nichts kann“ und kritisierte dessen Mietpreisbremse, durch die seiner Darstellung nach kein Österreicher weniger gezahlt habe. Zusätzlich garnierte er seine Kritik mit deutlichen persönlichen Beschimpfungen gegen den Parteichef.
Konsequenzen bleiben aus
Trotz der Schärfe der Attacke blieben handfeste parteiinterne Konsequenzen bislang aus. Nevrivy hatte sich zwar für seine „unangemessenen Aussagen“ entschuldigt, aus Bablers Büro hieß es gegenüber dem „Kurier“ jedoch schlicht, die Sache sei mit der Entschuldigung erledigt.
„Bis auf ein paar Sektierer erschüttert das niemanden mehr“
Warum die Aufregung in der SPÖ derart überschaubar blieb, erklärte ein hochrangiger roter Bundesländer-Vertreter gegenüber dem „Kurier“: „In der SPÖ erschüttert das bis auf ein paar Sektierer niemanden mehr.“ Damit deutete der Funktionär bereits an, dass Nevrivys Wortmeldung offenbar keine isolierte Einzelmeinung innerhalb der Partei darstellt.
Rückendeckung von der Basis
Noch deutlicher wurde ein weiterer SPÖ-Vertreter, der dem „Kurier“ zufolge bestätigte, dass Nevrivy mit seiner Kritik lediglich ausgesprochen habe, „was sich 80 bis 90 Prozent der Funktionäre denken“. Diese Einschätzung wurde laut dem Bericht von einem zweiten Vertreter unabhängig bekräftigt. Bemerkenswert dabei: Laut diesem Funktionär habe „der Ernstl“ noch „nie so viel positives Feedback“ erhalten wie nach der Veröffentlichung seiner scharfen Worte.
Ein Stimmungsbild mit Sprengkraft für Babler
Dass ein derart offener Angriff auf den eigenen Parteichef innerhalb der SPÖ kaum Widerspruch, sondern stattdessen breite Zustimmung findet, wirft ein bezeichnendes Licht auf die aktuelle Stimmung in der Partei. Sollte sich die von den Insidern kolportierte Größenordnung – eine Zustimmung von 80 bis 90 Prozent der Funktionäre – tatsächlich bestätigen, wäre das ein deutliches Signal für erheblichen internen Unmut über die Führung Bablers, der über den Einzelfall Nevrivy weit hinausreicht.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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