Es ist das politische „Blind Date“ des Jahres im verschneiten Oberfranken – nur dass sich die beiden Hauptdarsteller schon bestens kennen. Im malerischen Kloster Banz tagt die CSU-Landtagsfraktion, um sich für das Schicksalsjahr 2026 zu rüsten. Doch der eigentliche Star der Klausur kommt nicht aus München, sondern aus Wien: Ex-Kanzler Sebastian Kurz reiste am Montag an, um der bayerischen Schwesterpartei Beine zu machen.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder steht massiv unter Druck. Die Umfragewerte bröckeln, und bei seiner Wiederwahl als Parteivorsitzender Ende 2025 musste er mit knapp über 83 Prozent einen herben Dämpfer einstecken – sein schlechtestes Ergebnis als Parteichef.
Geheimtreffen hinter Klostermauern
Offiziell stand der Besuch unter dem sperrigen Titel „Europa im globalen Wettbewerb – aktuelle Herausforderungen für Politik und Wirtschaft“. Doch hinter den dicken Mauern des ehemaligen Benediktinerklosters ging es um weit mehr als trockene Wirtschaftstheorie. Wie der Kurier berichtet, stand auch ein vertrauliches Vier-Augen-Gespräch zwischen Söder und Kurz auf dem Programm.
Die CSU braucht dringend Erfolge. Im März stehen in Bayern Kommunalwahlen an – ein erster Härtetest für die angeschlagene Partei. Söder weiß: Wenn er hier nicht liefert, wird die Luft für ihn noch dünner. Da kommen Ratschläge von jemandem, der Wahlen gewinnen konnte, gerade recht. Klaus Holetschek, der CSU-Fraktionschef, erklärte bereits im Vorfeld gegenüber dem Kurier, dass man trotz unterschiedlicher Positionen bei Verkehrsthemen „sehr gut miteinander auskommt und gleiche Interessen teilt“.
Brisante Aussagen zur FPÖ
Besonders spannend wurde es, als die Türen für die Öffentlichkeit geschlossen blieben. In einer internen Fragerunde fühlten die CSU-Mandatare dem Ex-Kanzler auf den Zahn – vor allem beim Thema Umgang mit der FPÖ.
Während in Deutschland die „Brandmauer“ zur AfD noch steht, pflegte Kurz in Österreich einen pragmatischeren Kurs. Wie Oe24 aus Teilnehmerkreisen erfahren haben will, erklärte Kurz den CSU-Abgeordneten, dass AfD und FPÖ „nicht vergleichbar“ seien. Mehr noch: Die Zusammenarbeit mit der FPÖ sei „gut“ gewesen. Eine Aussage, die in München für Gesprächsstoff sorgen dürfte, denn Söder fährt offiziell einen harten Abgrenzungskurs nach rechts.
Söders Generalabrechnung
Doch Söder hat nicht nur Ohren für den Gast aus Wien, er hat auch eine eigene Agenda im Gepäck. Wie der Spiegel berichtet, nutzte der CSU-Chef den Auftakt der Klausur für eine Generalabrechnung mit dem Sozialstaat. Dieser brauche keine Kosmetik mehr, sondern eine „Generalüberholung“. Söder fordert längere Arbeitszeiten angesichts der alternden Gesellschaft und will das Gesundheitssystem „vom Kopf auf die Füße stellen“.
Seine Rhetorik wird schärfer: Das „Blaumachen“ müsse reduziert werden, weshalb er die telefonische Krankschreibung beenden will. Auch beim Thema Rente und Bürgergeld fordert er „grundlegende Entscheidungen“, selbst wenn diese kurzfristig unpopulär seien und „ein, zwei Prozent kosten“ könnten.
Quellen: OE24, Kurier, Spiegel
Credits: APA
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